Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2720904-2721049--71-2726363- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Legnica 1× ep/1045053
- Opava 1× ep/1048047
OCR text
40 Die offensichtliehe Folge des Toleranzediktes war überdies die wirtschaftliche Verwurzelung der Juden in den Städten und auf dem flachen Lande in fast allen Fürstentümern Schlesiens104. Während die Fürsten und Grundherren nach dem Toleranzedikt nirgends in offener Gegnerschaft gegen die Juden auftraten, während man vielerorts in weiten Schichten der Bevölkerung, sogar in den Kreisen der Zünfte, die jüdische Wirtschaftstätigkeit, die eine Lockerung der starren Wirtschaftsformen mit sich brachte, kaum noch missen wollte106, wandten sich Zünfte und Kaufmannschaff in Glogau und Breslau gegen jeden wirtschaftlichen Fortschritt und Aufstieg der schlesischen Judenschaft. In Glogau, wo die Juden, bei aller Enge ihrer bürgerlichen Geltung, im Vorder- 104 Wolf a. a. O. S. 194 gibt an, daß in Jauer, Liegnitz, Neisse, Sagan* Schweidnitz und Troppau noch im 18. Jahrhundert das Aufenthaltsverbot für Juden bestand. In all diesen Orten befanden sich Judentoleranzämter* vgl. Brachvogel III, S. 993. Für Neisse ist der Aufenthalt von Juden im Jahre 1657 bezeugt, s. F. Bloch, Die Juden in Militsch, S. 47. •Vorübergehend wohnten jüdische Familien im Jahre 1713, wohl auch noch später, in Sagan, laut Consign. Bresl. Staats■ A. Rep. 13, AA II 21e, f. 46. Allerdings befinden sich im Jahre 1737 Juden weder in der Stadt noch im Fürstentum Sagan (Bericht an K. 0. A. wegen Verheiratung von Juden* 19. 9. 1737, ibd. Rep. 13, AA II 21b, f. 244 f.). Auch die Stadt Troppau scheint im Jahre 1714 Juden beherbergt zu haben. Toleranzgelder werden getrennt von Stadt und Fürstentum Troppau aufgeführt, ibd. 21e, f. 43b. 105 Den Fürsten und Grundherren leisteten die Juden sowohl in ihrem Gebiete als Händler, Zollpächter und Branntweinarendatoren wie als Faktoren und Geschäftsträger in Breslau unentbehrliche Dienste, (Herz. Christ. Ulrich von Oels an den Breslauer Magistrat wegen der wohnhaften Niederlassung des Zolljuden aus Hünern Aron Moyses in Breslau, 10.8.1699* Bresl. Stadt-A. Lose Jud. A., vormals Scheinig, Magistrat an Herzog, 19. 8. 1699, ibd. L. ad. Reg. et Pr. Nr. 313, f. 76, vgl. B. Brilling, Der Zolljade von Hünern, Jüd. Zeit, für Ostdeutschland Nr. 51, 1930); ferner über den gräfl, Hohenbergischen Faktor Alexander Isaac (Bresl. Staats-A. Rep. 13, AA II 21b, f. 97 ff.); über Juden als Branntweinarendatoren in den oberschlesisclien Städten, wo sich der polnisch-russische Durchgangsverkehr abspielte* s. Consign. der Herrschaft Pleß, ibd. f. 111—118; über die Rolle der Juden im Kleinhandel vgl. oben Anm. 31 und Bresl. Staats-A. Rep. 14 P. A. II* 37e, f. 91—96; über Zusammenarbeit von Juden mit Tuchmacherzünften 8. Anm. 26. Auch bei den städtischen Obrigkeiten ist die Erkenntnis von der wirtschaftlichen Bedeutung der Juden vorhanden, vgl. Schreiben des Rates von Pleß (17. 7. 1730) und des Bürgermeisters von Nicolai (14. 5. 1730) für die Brüder Singer, ibd. Rep. 13 AA II 21 f, f. 295b; sogar in Breslau war die Stimmung bei weitem nicht einheitlich feindselig. In ihren Gravam. führt die Bürgerschaft auch darüber Klage, daß viele Kaufleute sich in freundschaftliche Handelsbeziehungen mit den Juden einlassen und ״von Gnaden der Juden“, der Händler und Mäkler, leben* Bresl. Stadt-A. H. 48, 3, Gr. V, 24. 3. 1714.