Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
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21 Preisbestimmung, der Kampf gegen jeden Eingriff in die eigenen Handelsvorrechte, gegen jede freie kaufmännische und handwerkliche Betätigung, kennzeichnen die Willensakte einer zum Tode verurteilten Wirtschaftsordnung. Eine neue Epoche kündete sich an, in der der Kaufmannschaft eine andersgeartete, den Zünften jedoch keinerlei bedeutungsvolle Rolle mehr zugedacht war. An der Schwelle bedeutsamer Veränderungen in der Wirtschaftsordnung wie in der sozialen Struktur einer Gesellschaft ist die Fähigkeit zu großzügigem Handeln Voraussetzung aller Macht; nur ein einheitücher Wille, fest auf ein klares Ziel gerichtet, kann in solchem Wandel der Erscheinungen die wirkenden Kräfte dirigieren. Großzügigkeit war jedoch zu jener Zeit am wenigsten das Merkmal der habsburgischen Wirtschaftspolitik. Bei allen guten Ansätzen in den wirtschaftspolitischen Maßnahmen Josephs I. und Karls VI.47 war in diesen wie auf allen Gebieten der Politik der Habsburger während der letzten Jahrzehnte ihrer Herrschaft in Schlesien eine einheitliche Linie nicht zu erkennen. Unter den Folgen dieser schwankenden Politik hatten auch die Juden in Schlesien zu leiden. Die österreichischen Kaiser unterlagen immer wieder den Einflüssen der sich gegenseitig bekämpfenden Volksschichten und wirtschaftlichen Gruppen. Bei ihrer ängstlichen Rücksichtnahme auf die Stimmungen, die in dem schlesischen Grenzland von besonderer Bedeutung waren, erfolgten auch nach dem Toleranzedikt Ent- Scheidungen zu ungunsten der Juden, entgegen dem Landesinteresse, unter dem Druck der Kreise, die an der Bekämpfung des jüdischen Handels und an der Minderung der jüdischen Rechte ein eigensüchtiges Interesse hatten. Wie in der Entstehung, so spiegelt sich in der Auswirkung des Toleranzediktes die Gegensätzlichkeit der habsburgischen Judenpolitik. Das Toleranzedikt bahnte eine neue Periode der Geschichte der Juden in Schlesien an. Es stellt die dritte bedeutungsvolle Etappe im Reehtskampfe der schlesischen Juden dar. Die erste Durchbrechung des Austreibungsediktes von 1582 war in der Verleihung des Familien privilegs an Israel Benedikt gegeben, aus dem die g e s a m t e Glogauer Judenschaft für alle spätere Zeit 47 S. Fechner, Zustand d. schles. Handels, S. 219, 223/27; Beer, Oester. Handelspolitik etc., S. 4.