Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
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17 Die rechtliche und wirtschaftliche Stellung der Juden in Schlesien ergab sich weiterhin aus dem Kulturstande einer Ge- Seilschaft, die, ungeachtet aller sich anbahnenden Widerstände, noch völlig in den Begriffen ständischer Vorrechte veiwurzelt war. Allerdings litt der Jude, der, trotz jahrhundertelanger Verknüpfung mit dem Lande, von vielen entscheidenden Machtfaktoren Schlesiens nach wie vor als volks- und landfremd bekämpft und verfolgt wurde, am stärksten unter Verachtung und Feindseligkeit. In seiner bürgerlichen Entrechtung stand er jedoch nicht allein. Noch waren, neben dem Ketzerhaß, ständischer Hochmut und Machtdünkel der herrschenden Schichten das Signum einer Epoche, in der für die Lebensnöte weitester Teile des Volkes keinerlei Verständnis vorwaltete. Unter einer kaum weniger harten Bedxückung litt auch der gemeine Mann auf dem Lande, der, seit Jahrhunderten an die Scholle gebunden, während der langen Habsburgerherrschaft und noch Jahrzehnte über diese Zeit hinaus, in der Freizügigkeit gehemmt, bei der Wahl von Arbeit und Beruf CCCI, p. 1728 f.; dem Zeitgeiste entsprechend wurden erneut Einschränhangen zugelassen, wonach das Gesetz nur ״de operibus servilibus, nicht aber mechanicis et mercantilibus“ zu verstehen sei; christl. Aerzte, Chirurgen, Apotheker u. Hebammen — wie auch Handwerker — sollten in ihrer Tätigkeit unter Jaden nicht behindert werden, s. K. Declar., d. d. 10. 12. 1725, ibd. CCCXXV, p. 1S23 ff. Geldstrafen u. Landesverweisung trafen Zuwiderhandelnde Bresl., Glogauer u. Zülzer Juden, s. Bresl. Stadt-A. Lose Jud. A. NNN 511 a—e, über Strafbemessungen (19. 8. 1725, f. 41, 19. 12. 1729, f. 57, 65 L, 69 f., 75), Geldstrafen u. Arreste (14. 8. 1726, f. 41), könfisz. Pfänder (19. 9.1729, f. 53), Attestate überd. zulässige Art v. Dienstbotenbeschäftigung (26. 8. u. 6. 9. 1729 NNN 51 le Lit. D u. E), Attest d. k. Oberfisk. über notwendige Ammentätigkeit (2. 3. 1729, f. 55), o. a. Bericht wegen d. bei Juden bediensteten Christen (12. 9. 27 NNN 511a); zu den Synodalbestimmungen d. Synode z. Wien, 1267, s. C. J. Hefele, Conziliengeschichte, 2. Aufl. 1890, Bd. VI, S. 104/5. Gleichen Charakter der kanon. Gesetzgebung trug das Verbot d. Unterbringung von Bethäusern in d. Nähe von Kirchen, Bresl. Staats-A, Rep. 16, F. Bresl. II 8 f, f. 20b (wobei allerdings der Kaiser für die ״Betkammer“ d. priv. Juden Philipp Lazarus Hirschelin Breslau eine Ausnahme zugelassen haben wollte) u. K. Reskr. wegen Abschaffung der Juden aus d. nahe bei d. christl. Kirchen anliegenden Wohnungen, d. d. 2. 9. 1726 (ibd. f. 18a u. 20a). Das frühere Verbot des Zusammenwohnens von Juden und Christen in gleichen Häusern oder Wohnungen v. J. 1710 (s. Berndt a. a. O. S. 38) entstammte demselben Bestreben d. Kirche, ein Bollwerk zwischen Christ u. Ketzer aufzurichten; vgl. dazu die entgegenkommenden Be- Stimmungen f. d. wirtschaftliche Betätigung von Convertiten, K. Reskr. v. 30. 6. 1695, Walther a. a. O. II, S. 200, u. Seidel, Bresl. Stadt-A., Hs. D 84, 1 de privil., f. 105, wegen Zulassung v. Convertiten zu d. Zünften. 2