Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
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16 tragenen Kampf der religiösen Gegensätze forderte die Kirche vom Kaiser, ihrem treuen Sohn, Gefolgschaft und Hilfe. Dieser hatte sich nur unter dem Zwange der politischen Lage und dem vergoldeten Nachdruck, den die schlesischen Protestanten ihren Bitten verliehen38, dazu verstanden, dem Protestantismus Lebensraum und den evangelischen Teilen der Bevölkerung religiöse Freiheit — in bestimmten Grenzen — zu gewähren. Aber wenn auch Karl VI., dem machtvollen Gesetz der politischen Ereignisse Europas folgend, noch gebunden durch die Gnadenedikte seines Vorgängers, der neuen Politik einer Scheintoleranz huldigte und mit heuchlerischer Unparteilichkeit für die Wahrung der Religionsfreiheit eintrat39, so war doch sein Herz bei der katholischen Kirche, deren politische Ziele zugleich die seinen waren40. Ihnen galt sein geheimes politisches Wirken. In dem Kampf der Kirche gegen das Ketzert um konnte der Kaiser seine Hilfe nicht ganz versagen. Das Opfer fand sich dort, wo Widerstand nicht möglich war. Für die Pfeile religiöser Unduldsamkeit waren die Juden eine besonders günstige Zielscheibe. Sie hier preiszugeben empfand die kaiserliche Macht kaum als Bruch des Rechts. Mit dem Schein des Schutzes kirchlicher Gläubigkeit geschah es bedenkenlos dort, wo keine starken fiskalischen und wirtschaftlichen Interessen der Habsburger mit im Spiele waren41. überzeugende Begründung, auch die wunderliche Bittschrift der Juden vom Jahre 1707/08 (vgl. Rabin, Vom Rechtskampf, S. 82 f. u. Anhang IV S. XVII Abdruck der Bittschrift aus Bresl. Stadt־ A., Juden-Akten S. 105 bis 110) als bloße Mystifikation ansehen zu müssen. 38 H. Wuttke, a. a. O. Bd. II, S. 340. 39 Ibd. S. 346, Anm. 1; vgl. dazu C, Grünhagen, Schlesien unter Friedr. d. Gr., Bresl. 1890, Bd. I, S. 34. 40 Nach dem Verlauf seiner Frankfurter Krönung mußte ihm politisch an dem Wiedergewinn d. kirchl. Gunst gelegen sein, s. Joh. Ziekursch, Die Kaiserwahl Karls VI. (1711), Gotha 1902, S. 48 u. 127 f. Die kathol. Kirche büdete auch in Schlesien für die habsburg. Herrschait das Bollwerk gegen alle Bedrohung; in den Sympathien des kathol. Schlesiens war der Schutz gegen die ständig gefürchtete Rivalität der Hohenzollern zu finden, vgl. Grünhagen a. a. 0. S. 33 u. 36. 41 Neben d. Verordn, u. Gesetzes maßnah men fiskal.־ wirtschaf tl. Natur finden sich in der habsburg. Judengesetzgebung Edikte, die d. Stempel d. kirchl. Judenpolitik deutlich an der Stirn tragen. Gewisse für das häusliche Leben d. Juden geltende Verordnungen folgen den Synodalbestimmungen der Konzile des Mittelalters. Dazu gehören die Verordnungen bez. der Beschäftigung v. christl. Dienstboten u. a. (K. Resol. d. d. 9. 10. 1724, daß die Juden keine christl. Dienstboten halten sollen, s. Brachvogel, P. VI