Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
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11 dem Kaiser auch der jüdische Handel als Kampfmittel dienen. Die weitreichenden Beziehungen der Juden, die Eigenart ihres Handels, sicherten ihnen eine besondere Stellung im schlesischen Wirtschaftsleben. Eine Begünstigung der wirtschaftlichen Expansion der Juden war dazu geeignet, zäh festgehaltene Sonderrechte zu zerstören. Hier also hatte, anders als in seiner Auseinandersetzung mit den Fürsten, der Kaiser, politisch gesehen, •ein Interesse daran, für die Freiheit der schlesischen Judenschaft einzutreten. Kaufmannschaft und Zünfte waren als Gesamtheit, als Stand, gegen den jüdischen Handel. Konkurrenzneid und die Furcht vor dem Ruin ihrer eigenen Ausnahmestellung waren ihre Leitmotive25. Im Gegensatz zu den vermeintlichen Standesinteressen sympathisierten jedoch diejenigen Kreise der Kaufmannschaft mit dem jüdischen Handel, deren Prosperität durch die von den Juden beherrschten Handelszweige gefördert wurde*6. Handelskompanien von Juden mit christlichen Kaufleuten in das Patent vom 16. 8. 1731 den ,,Todesstreich gegen die Geltung der Zünfte“. Zur gleichen Entwicklung in Brandenburg s. Ismar Freund: Die Emanzipation der Juden in Preußen, unter besonderer Berücksiehtigung des Gesetzes vom 11. März 1812, Berlin 1912, Bd. I, S. 8 u. 10. 25 Die Verleihung einer privilegierten WirtschaftssteUung an einzelne Juden genügte, um der Kaufmannschaft das Schreckgespenst ihres Untergangs vor Augen zu führen. In dem Entwurf einer Eingabe an d. Kaiser (unterschr. vom Ratmanne d. Stadt Breslau, 2. Mai 1699) gegen das an Simson Wertheimer erteüte Niederlassungsprivileg (7- 4. 1699) wird von d. Kaufmannschaft darauf hingewiesen, daß die Niederlassung von Juden den Ruin d. Bresl. Kaufmannschaft bedeute. (Bresl. Stadt — A. Lose Jud. A. NNN. 429 a); über das Wertheimer’sehe Privileg vgl. David Kaufmann, Samson Wertheimer etc., Wien 1888, S. 21 Anm. 5; Gabriel Jacob, der in Breslau seit 1713 als ״Wertheimerischer Bestellte“ lebte, beruft sich auf dies Privilegium, ״dessen Taxa viele Tausend Gulden gekostet“, Bresl. Staats-A. Rep. 13 AA II 21 f., f. 151. Zu den Klagen der Breslauer Bürgerschaft über die Handelstätigkeit der Juden, von der sie einen ״gänzlichen Ruin des Commercii“ befürchten, vgl. Gravam. d. Bürgerschaft, 1704«—1740, Bresl. Stadt-A. H 48,2, Fragment eines Protokolls, v o r d. Gravam. v. 1729. 26 Vgl. Eingabe d. Bresl. Kaufleute an d. Bresl. Rat, präs. 15. 11. 1727, Commercien-Collegii Acta von Fabrizirung unreglementmäßiger Tücher zum Behuf des Commercii mit Pohlen, de ao 1728—40, Bresl. Staats-A. Rep. 13 AA VIII 17 g, f. 5 ff.; ferner Eintreten der Aeltesten des Tuchmac her mittels in Guhrau, Koben und Kützen für den Schutzjuden Abraham Salomon, der durch Abnahme von Tüchern, Vorschußleistung und Einführung guter Wolle aus Polen die Landesproduktion fördere. (Schreiben vom 11., 15. u. 16. 3. 1734 anläßlich der Ausweisung von Abraham Salomon, Joseph Elias u. Hirschei Hentschel aus Guhrau, Bresl. Staats-A. Rep. 16, F. Breslau II 8g, f. 11—15).