Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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7 - Für den Manuel Joel-Preis war das Thema gestellt worden : ״Die prophetische Geschichtsauffassung und die Geschichts- Philosophie der Gegenwart“. Es ist eine Bearbeitung eingegangen, die das Motto trägt: ״Alles ist vorausgesellen, aber die Freiheit ist gegeben.“ In dem einleitenden Kapitel wird die Geschichtsauffassung der Propheten als systematische Einheit, ohne bibelwissenschaftliche und religionsgeschichtliche Differenzierung, in ihren Grundzügen charakterisiert. Es wird der geschichtliche Grundzug der prophetischen Weltanschauung im Unterschied zur griechischen naturphilosophischen Weltanschauung hervorgehoben, aus dem prophetischen Gottesbegriff das sittliche Endziel der Weltgeschichte im messianischen Reich abgeleitet und gezeigt, wie die Herrschaft Gottes über die Völker im Gottesgericht dieses Endziel herbeiführt. Zu dieser prophetischen Geschichtsauffassung wird die idealistische Geschichtsphilosophie Windelbands, Rickerts und Troeltsch’s in Parallele gestellt. Die zum Teil sehr schwierigen geschichtsphilosophischen Probleme werden klar und sicher dargestellt. An die Windelband־ Rickert’sehe Geschichtsphilosophie werden im Wesentlichen die aus der Troeltsch’schen Geschichtsphilosophie gewonnenen Maßstäbe der Kritik angelegt. Aber auch zur Troeltschsehen Geschichtsphilosophie, die der prophetischen Geschichtsauf־ fassung grundsätzlich zu entsprechen sucht, wird kritisch Stellung genommen. Anregungen, die der Verfasser im Seminar erhalten hat, weiß er selbständig fruchtbar zu machen, um die Differenzen zwischen dem prophetischem Gottesbegriff und dem zum Pantheismus hinneigenden Gottes begriff Troeltsch’s und zwischen dem absoluten Geschichtsziel der Propheten und der Relativierung geschichtlicher Maßstäbe durch Troeltsch deutlich zu machen. Die sichere wissenschaftliche Methode, die gute Beherrschung des Materials und die klare Einsicht in die Bedeutung der jüdischen Religion für eine idealistische Geschichtsphilosophie rechtfertigen die Zuerkennung des Joel-Preises für diese Arbeit. Als Verfasser erwies sich Herr cand. theol. Dr. phil. L a z a r Landau. Für das Jahr 1931 wurden folgende Preisaufgaben gestellt: 1. Israel Lewy-Preis: Untersuchung der im babylonischen Talmud vorkommenden dezisoriseben Regeln. 2. Heinrich Graetz-Preis: Die kabbalistischen Lehren des Nachmanides, nach seinem Pentateuchkommentar dargestellt und nach Quellen und Parahelen untersucht. 3. David Rosin-Preis: Die Angriffe auf die Wirtschaftsethik des rabbinischen Schrifttums. 4. Manuel Joel-Preis: Die Unterscheidung von Mythos und Religion bei Hermann Cohen und Emst Cassirer in ihrer Bedeutung für die jüdische Religionsphilosophie. 5. Jacob Guttmann-Preis1: Die Lehre von Raum und Zeit bei ■ den jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters bis Maimuni. 6. Alexander Kohut Memorial-Preis: Die Anthropomorphismen der Genesis und deren Deutung auf Grund der 1 Von einer Seite, die nicht genannt sein will, zur Verfügung gestellt.