Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1922 und 1923 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2720904-2721051--15-2726235- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 Namens des Kuratoriums sprach Herr Lud w i g Laqueu r den Dank aus: Das Kuratorium sei sich ,wohl bewußt, welch schwere Pflichten es übernommen habe, da ja nicht nur die Verwaltung des Seminars, sondern der gesamte Komplex der Fraenckelschen Stiftungen erhalten und gepflegt werden müsse. Je mehr die Kuratoren nach der Uebemahme ihrer Aemter den großen Umfang der ihnen obliegenden Arbeiten kennen gelernt hätten, desto lieber kämen sie ihrer ersten Pflicht nach, den bisherigen Kuratoren den herzlichen Dank abzustatten für die großen Verdienste, die sie sich erworben hätten, namentlich während der schweren Kriegs״ und Nachkriegsjahre, in denen die wirtschaftlichen Verhältnisse ein ruhiges Arbeiten erschwert, ja fast unmöglich gemacht habe. Weiter gelte der Dank dem Verein der Freunde des Seminars und dessen beiden Vorsitzenden, Herrn Kommerzienrat Adolf Sternberg und Herrn Justizrat Felix Hirschberg. Erst durch die finanzielle Hilfe des Vereins sei es möglich geworden, das Seminar auf seiner Höhe zu erhalten; unvergessen werde insbesondere der Name des leider kürzlich viel zu früh für uns alle dahingeschiedenen MaxAschner sein. Die Kuratoren seien die Voll- Strecker des letzten Willens des verewigten Stifters Jonas Fraenckel. Das Testament des Stifters lasse die Annahme zu, daß er bei der Abfassung jene Legende im Auge gehabt habe, in der ein Frommer vier Weise fragt, was er tun solle, um ein Gott wohlgefälliges Werk zu errichten. Der erste habe geantwortet : sorge für die Erziehung der Jugend, der zweite : die Schwankenden sollten gestützt werden, der dritte: er solle für die Alten sorgen. So habe Fraenckel zur Ermöglichung der Ausbildung jüdischer Jünglinge die Stiftung zur Förderung der Künste und Handwerke unter den Juden, für die Bedürftigen das Darlehnsinstitut und für die Alten das Zufluchtshaus und die Wohnungsstiftung geschaffen. Wie aber dann der vierte Weise das Studium der Thora als die Krone aller frommen Werke hinstellte, so habe Fraenckel angeordnet, daß ein Rabbinerseminar gegründet werden sollte. Diese Schöpfung betrachtet das Kuratorium als den edelsten Stein in der Krone der ihm unterstehenden Stiftungen. Wie ein ins Wasser geworfener Stein Wellen nach allen Seiten hervorbringt, so seien auch vom Breslauer Seminar, dieser ältesten Hochschule jüdischer Wissenschaft, immer wieder neue Wellen ausgegangen, die befruchtend auf die Geistesarbeit der jüdischen Gemeinschaft gewirkt und den Anstoß zur Schaffung weiterer Lehranstalten jüdischer Wissenschaft gegeben haben. In engster Zusammenarbeit mit dem Dozentenkollegium würden die Kuratoren dafür wirken, daß dem Seminar seine hervorragende