Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1922 und 1923 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2720904-2721051--14-2726234- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
13 gegangenen Welt, und wollen auch Zeugen einer neuen, neuerstehenden Welt sein. Und Sie wollen nicht bloß stumme Zeugen sein, Sie wollen am Aufbau kräftig mithelfen. In diesem Sinne begrüßen wir Sie heute, als das neue Kuratorium des Breslauer Seminars. Das jüdisch-theologische Seminar ist seiner Entstehung nach eine lokale Schöpfung. Kommerzienrat Jonas Fraenckel s. A. hat diese Anstalt durch eine opferfreudige Freigebigkeit ins Leben gerufen, die für alle Zeiten denkwürdig bleiben muß und bleiben wird. Durch diese Tat hat er seinen Namen in eines der schönsten Blätter der jüdischen Geschichte eingeschrieben, und hat sich in würdigster Weise die Dankbarkeit der Nachwelt erworben. Eine zweite Merkwürdigkeit des jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau ist es, daß es zur ersten jüdisch-wissenschaftlichen Anstalt der Welt geworden ist. Aus dieser Anstalt gingen Vorzugsweise die Lehrer der jüdischen Wissenschaft, die geistigen Leiter des Judentums hervor, im weitesten Sinne des Wortes. Wenn heute die Frage aufgeworfen wird, ob das Breslauer Seminar eine Zukunft habe, so ist dies nicht mehr die Existenzfrage einer Stiftung, nicht mehr die Frage, die innere Frage dieses grauen Hauses, sondern es ist die Frage der jüdischen Wissenschaft, die Frage des jüdischen Gewissens, die Frage der jüdischen Ehre. Fest und unerschütterlich ist unser Vertrauen in unsere Sache, in die heiligste Sache des Judentums. Fest und unerschütterlich hängen wir an dem Ewigkeitsgedanken, der in der Lehre des Judentums verborgen ist, der dem Judentum bis heute die Kraft verliehen, sich durch die schwersten Zeiten der Weltgeschichte immer zu neuem Leben emporzuarbeiten. Fest und unerschütterlich ist unser Glaube an die Zukunft, an die Ewigkeit der Thora, an die Ewigkeit Israels. In diesem festen, unerschütterlichen Glauben begrüßen wir Sie nun an der Schwelle Ihres neuen Wirkens. ברוך אתה בבואך Ihr Kommen möge zum Segen des Judentums gereichen. Möge Ihnen allen die edle Freude zuteil werden, Zeugen eines neuen, gedeihlichen Aufblühens dieser Anstalt zu sein, Anteil an einem neuen Aufschwung, an einer neuen, kräftigen Entwickelung des geistigen jüdischen Lebens zu haben. Ich schließe meine Begrüßungsworte mit einem alten Wunsch, den schon Moses bei der Einweihung des Stiftszeltes ausgesprochen hat יהי רצון שתשרה שכינה במעשה ידיכם Es möge der Wille Gottes sein, daß der himmlische Segen auf eurer Hände Werk ruhe.