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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1924-01-01 · 1922 und 1923 (1924) · page 13

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1922 und 1923 (1924)
Date
1924-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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IRI
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u unseren Augen spielt sich. Weltgeschichte ah, welterschüttemde, weltumwandelnde Geschichte. Unwillkürlich drängt sich uns die in den ersten Kapiteln unserer h. Schrift aufbewahrte alte Erinnerung an die Sündflut und die wundervolle Rettung Noahs auf. Unsere Weisen nennen drei Männer, denen das seltene Erlebnis zuteil geworden, zwei verschiedenen Welten anzugehören, einer untergegangenen und einer neuerschaffenen Welt (Tanch. Noach 5). Noah war der erste. Gestern erst sah er noch eine blühende Welt vor sich, er sah das tolle Treiben der vorsündflutlichen übersättigten Menschheit. Die überaus reiche, üppige Natur schien für alle Zeiten die Menschheit erhalten und ernähren zu können; man glaubte sich vom Himmel ganz unabhängig. Da kam die Sündflut und fegte alles weg. Der zweite, der ebenfalls den Untergang einer Welt erlebte, war Hiob. Was er erlebte, war nicht der Untergang der ganzen Welt, sondern bloß der engen Welt eines einzelnen Hauses: der eigenen Welt Hiobs. Der dritte, der den Untergang einer Welt erlebte, war Daniel. Er sah noch den heiligen Tempel zu Jerusalem in seiner schönsten Pracht, und sah auch, wie dieser durch Feindeshand zerstört worden ist. Er war also ebenfalls Zeuge der Zerstörung einer Welt im engem Sinne und zwar der Zerstörung der jüdischen Welt. Nun, m. F., auch wir sind Zeugen einer Weltzerstörung, und zwar scheint unsere Zeit alles das zusammenzufassen, was Noah, Hiob und Daniel einzeln gesehen haben. Wir sind Zeugen mächtiger welterschüttemder Ereignisse, die ins allgemeine Schicksal der Menschheit tief eingreifen. Vom Schicksal Einzelner wollen wir angesichts der Trauer und der Bedrängnis des ganzen Landes nicht sprechen. Neben dem Schmerz von Millionen tritt das Unglück des Einzelnen in den Hintergrund. Doch soll an dieser Stätte auf die Erschütterung hingewiesen werden, die das Judentum in den letzten Jahren erlitten hat. Wie viele Heiligtümer sind da zerstört worden und wie vielen Heiligtümern droht noch der Untergang! Doch soll in dieser Stunde inniger Begrüßung neben den tiefernsten, schweren Gedanken an größte, ungeahnte Erschütterungen auch der Schimmer von Zukunftshoffnungen aufleuchten. Der Psalm, welcher von der Zerstörung des Tempels zu Jerusalem spricht, führt die Ueberschrift ״Gesang Asafs“. Der Talmud fragt, wie kann ein Psalm wie dieser, in dem nichts als Zerstörung und Untergang enthalten ist, als Gesang aufgefaßt werden? לא®* מיבעיא JTJp #ממור לאםף ליה? statt Gesang müßte es ״Klagelied“ heißen! Doch, meint der Talmud schließlich, der heilige Dichter läßt hier einen Gedanken durchblicken, der einer unverbrüchlichen, göttlichen Verheißung

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