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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1922-01-01 · 1921 (1922) · page 8

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1921 (1922)
Date
1922-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721023--07-2726210
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8 sagt die Schrift. Heiligkeit hat es also ausschließlich mit dem Leben zu tun. Der jüdische Priester mußte sich fernhalten von allem, was tot ist. Denn er soll heiligen Dienst vor Gott verrichten und auch äußerlich den Zusammenhang wahren, der zwischen Heiligkeit und Leben bestehen muß. Unsere Tora ist göttlich, heilig und wird auch thorath chajim genannt, sie hat Geist und Leben in sich. Unsere Tora ist kein erstarrtes, ver, steinertes Denkmal uralter Zeiten, kein archäologischer Begriff, sondern das lebendige Wort des ewigen Gottes, bestimmt und berufen, für alle Zeiten zu leben und zu wirken. Die alten Traditionen unserer Ahnen sind keine toten Reste längst dahingeschwundener Jahrtausende, sondern unaufhörlich wirkende höhere Kräfte, die tief ins Leben eingreifen, ins Leben des heutigen modernen Judentums. Von dieser Betrachtung ausgehend, nenne ich diese Stätte heilig. Nicht bloß mit Rücksicht auf ihr Alter als jüdische Hochschule, dessen sie sich mit Recht rühmen kann. Nicht bloß mit Rücksicht auf die rühmliehe Tatsache, daß aus dieser Lehranstalt das Licht der jüdischen Wissenschaft seit mehr als zwei Generationen in die entlegensten Kulturstätten gedrungen, sondern weil sie einer heiligen Bestimmung dient, sie lehrt und erklärt das Wort Gottes als etwas Heiliges, Lebendes und fürs wirkliche, tätige Leben Bestimmtes. Für diese Anstalt fallen jüdische Traditionen und jüdisches Leben zusammen. Guttmann betont noch zum Schluß, daß er selbst schon vor Jahren unter dem wohltätigen Einfluß dieser Schule gestanden hat. Seine Lehrer Kaufmann und Bacher waren Zöglinge dieser Schule und hatten hier ihre Weihe als Lehrer des Judentums empfangen. Ihr Geist und ihre Lehrmethode beseelten ihn in seinem bisherigen Wirken, und dieser Geist, vereint mit dem Geiste seiner älteren Lehrmeister, von denen er besonders* Rabbi Moses Pollak und Rabbi Moses Bloch s. A. nennt, sollen ihm auch in seinem neuen Wirkungskreise sein Wegweiser bleiben. Mit Beginn des Wintersemesters traten zwei Neuerungen von Bedeutung ein. — Die zunehmende Wertschätzung des Neuhebräischen hat unsere Anstalt, ebenso wie die beiden deutschen Schwesteranstalten, dazu veranlaßt, das Neuhebräische alswahlfreiesLehrfachin den Lehrgang aufzunehmen. Bereits in den beiden letzten Jahren konnten wir von neuhebräischen Kursen berichten, deren Leitung der Hörer unseres Oberkursus Herr Klotz übernommen hatte. Auf Wunsch älterer Hörer hatte sich bereits im Sommer Herr Dr. Rabin bereit erklärt, 2 Stunden für Fortgeschrittene abzuhalten. Während des Winter- Semesters werden die Stunden fortgeführt; der Unterricht für jüngere Hörer, gleichfalls in 2 Stunden, liegt in den Händen des Hörers der oberen Abteüung* Herrn Reznikow. Ferner wurde die Einführung öffentlicher Abendvorlesungen beschlossen, und der Anfang dazu gemacht durch eine Vorlesung des Herrn Dr. Rabin'über Geschichte der neuhebräischen Literatur» die außerordentlich gut besucht ist.

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