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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1922-01-01 · 1921 (1922) · page 7

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1921 (1922)
Date
1922-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721023--06-2726209
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7 Hörer ging der Wunsch hervor, daß von lütte August bis Ende September ein Zwischensemester lediglich für talmudischrabbinische Fächer eingerichtet werde. Diesem Wunsche wurde entsprochen. Zu Beginn des Wintersemesters konnte auch der Lehrstuhl des Seminarrabbiners neu besetzt werden. Herr Prof. Dr. Guttmann1) aus Budapest entschloß sich, dem auf Vorschlag des Lehrerkollegiums an ihn ergangenen Ruf des Kuratoriums zu folgen; am 15. November konnte seine Einführung statt« finden. Den herzlichen Begrüßungsworten des Herrn Geheimrat Freund folgte eine Ansprache des Vorsitzenden des Lehrerkollegituns, welches beschlossen hatte, in Zukunft auch seinerseits an neueintretende Kollegen Worte der Begrüßung zu richten. Herr Prof. Guttmann erwiderte: In diesem feierlichen Augenblick, wo ich zuerst die Stelle betrete, die einst Rabbi Zacharias Frankel s. A. eingeweiht hat, fühle ich doppelt, daß ich auf heiligem Boden stehe, und der Begriff der Heiligkeit ist es eben, der den ganzen Beruf eines jüdischen Lehrers durchdringen muH» Was bedeutet jüdisches Schrifttum, was sind jüdische Traditionen einem außenstehenden Forscher? Im besten Falle sind sie ihm interessante, merkwürdige Kulturdenkmäler aus uralten Zeiten, Reliquien und lieberreste einer längst abgestorbenen Welt. Mit einem Worte, sie sind für ihn. totes Material, das teils als Bindestoff für anderweitige Probleme herangezogen wird, teils aber einer musealen Verehrung teilhaftig wird, gleich ägyptischen Hieroglyphen und assyrischen Keilinschriften. Diese Art des Schauens, dieses Zusammenfassen von allem Alten unter gemeinschaftpche, archaistische Gesichtspunkte birgt einen Fehler in sich, einen bedauerlichen Irrtum, vor dem sich das Judentum besonders in acht nehmen muß. Aegyptische Hieroglyphen und assyrische Keilinschriften sind ja alt, sehr alt; mögen sehr lehrreich und anregend sein, doch heilig sind sie nicht Was heilig ist, muß auch göttlich sein; und was göttlich ist, muß vor allem Leben in sich haben, muß selbst belebt sein und belebend wirken. Heiligkeit ist nach jüdischer Auffassung das höchste-Prinzip der Ethik; die Grundlage, auf der sich ein höheres, Gottähnlichkeit anstrebendes Leben aufbaut. ״Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott'V *1 Michael Guttmann, geh. in Fdlegyhäza (Ungarn) den ä Februar 1872, erhielt den ersten Unterricht bei seinem Vater Alexander (Rabbinatsverweser), lernte später in Großwardein, Bonyhäd und Preß-־' bürg Talmud und rabbinisches Schrifttum. 1895—1905 studierte er an der Landesrabbinerschule zu Budapest, vollendete gleichzeitig seine Gymna*ialstudien und besuchte die Universität zu Budapest. Er hörte Mathematik, Naturwissenschaften, Astronomie und orientalische Sprachen. 1903 bestand er die Doktorprüfung in orientalischen Sprachen, Mathematik und Astronomie. 1904 erhielt er von der Landesrabbinerschule das Rabbiner - Diplom. 1903—1907 war er Kreisrabbiner in Cspngräd. 1907 wurde er vom ungarischen Minister für Kultus und Unterricht znm ordentlichen Professor an der Landes-Rabbinerschule ernannt;' Hier wirkte er ununterbrochen bis zu Beginn des Schuljahres 1921—1922.

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