Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1920 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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152_ der Bibel uud der Protreptikos* 1 des griechischen Forschers sind seine Vorbilder; den Preis der Chokhma und das Lob der Sophia zu verschmelzen, ist die Aufgabe, die er sich gestellt hat. Für die Fragen der höheren Kritik des Büchleins ist unser Ergebnis zunächst insofern von Interesse, als manche Einwände gegen die Einheit nunmehr leicht ihre Erledigung finden. Die Sonderstellung der Abhandlung über den Götzendienst kann nicht mehr Wunder nehmen, nachdem erkannt ist, daß der Vf. sich hier enger als sonst an seine griechische Vorlage anlehnen konnte; wenn sieh bei Philon in ähnlichen Fällen Enklaven innerhalb seiner Homilien finden, so ist einem Manne, der seine weit geringere Selbständigkeit und wissenschaftliche Schulung durch die steife Zusammenstellung biblischer und hellenistischer Zitate bekundet, die organische Verschmelzung der Polemik des P. mit seinem eigenen Gedankengange noch viel weniger zuzutrauen. Mit der stärkeren Abhängigkeit von griechischen und midraschischen2 Quellen im 2. Teil hängt das geringere Hervortreten des Parallelismus der Glieder3 zusammen. Völlig in sich zusammenfällt auf Grund des quellenkritischen Ergebnisses der Einwand, den Gärtner a. a. O. 71 gegen die Einheit des Büchleins erhebt: der Verf. des eigentlichen Weisheitsbuches (6, 1—11, 1) sei ein Feind aller Mysterien und Geheimniskrämerei (6, 24; 7, 13), während die ״eschatologische Schrift“ (1—6) ihre Lehre auf Mysterien aufbaue. Bei unserem Vf. und bei Philon, der in derselben Weise und fast mit denselben Worten den Mysterienglauben ablehnt und doch, wenigstens in den allegorischen Schriften, beständig als Mystagoge und Ausleger des ,,Hierophanten‘‘ Moses gelten will, wirkt der Einfluß des P. nach, der die volkstümlichen Mysterien eben deshalb verwirft, weil ihm die Philosophie als wahres Mysterion gilt. Und wenn selbstverstündlich die durchgängige Benutzung derselben Quelle nicht die Einheitlichkeit des Buches beweist, so ist doch die gleichmäßige Art der Benutzung beachtenswert: die griechischen Philosopheme Gerade die ungriechisch formulierten Worte Kcrcvö; 75 1tv07) ev pialv ע5)1)ןו können unmöglich, übersetzt sein, da der jüdische Leser durch נשמתנו כעשן באפנו sofort an Ps. 18, 9 פלה פשן באפו (Rauch stieg auf in seiner Nase) und verwandte Stellen (Hiob 41, 12; Jes. 65, 5) erinnert werden und den Vergleich der Seele mit dem Bauch nicht, wie den des Gesamtmenschen (Hos. 13, 3), als Bild der Vergänglichkeit, sondern des Zornes auffassen würde. Auch 2 a und 11a können nicht wörtlich aus dem Hebräischen übertragen sein. — Auf die angeblichen Wider- Sprüche zwischen 1—5 und 6—19, die E. annimmt, kann hier nicht eingegangen werden. 1 Vgl. namentlich S. 117 ff. über die Beligionskritik im Protreptikos. ä Peldmann, Theo! und Glaube I 178 ff. 8 Weber a. a. O. 157. XXIV