Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1921-01-01 · 1920 (1921) · page 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1920 (1921)
Date
1921-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2720904-2721025--21-2726191
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

150 darin liegt ja, wie P.’ Kulturkritik scharf hervorhob, das schwere Unrecht der Dichter, daß sie durch die Rücksicht auf den Ruhm ihr Amt als Volkserzieher vernachlässigen (s. S. 101), und gleiches muß auch von den bildenden Künstlern gelten, die P. nicht zu den Vertretern der freien Künste zählen kann (s. S. 74), weil sie den Sinnen schmeicheln zum Nachteil des Verstandes, also eben durch die Schönheit ihrer Werke den verderblichen Einfluß ausüben, über den die Vorlage unseres Weisheitslehrers klagt 1. Aber der Götzendienst beruht nicht nur auf Unwahrheit, sondern verführt auch zur Unsittlichkeit (14, 27). Besonders ist an den Mißbrauch der Mysterien zu denken, mit denen der Vf. (12, 4 ff.; 14, 23 ff.) Blutschande, Kindermord und dergleichen Schändlichkeiten verknüpft denkt. Auch aus einem anderen Grunde ist er auf die Mysterien schlecht zu sprechen; vgl. 6, 22 ff.: Wesen und Ursprung der Weisheit will ich euch verkünden und euch nicht die Mysterien verbergen;... denn ich will nicht zum Gesellen des fahlen Neides werden, der mit der Weisheit keine Gemein- Schaft pflegen darf (= Plat. Phdr. 247 A); oder 7, 13: neidlos gebe ich sie weiter und verstecke ihren Reichtum nicht. Es wird also, genau wie bei Philon Spec. leg. I 320 ff., den Mysten vorgeworfen, daß sie sich nur an wenige wenden, statt ihre Lehre auf offenem Markte zu verkünden; ״denn die Tugend darf man nicht mißgünstig vorenthalten“. Die Geheimkulte werden der wahren, philosophischen Unterweisung gegenübergestellt und neben ihr unwürdig befunden; denn nach P. ist, wie wir wissen, die Philosophie das wahre Mysterion: S. 119 2. Auch die Unsittlichkeit, die mit vielen der niederen Geheimkulte verbunden ist, hat er bekämpft: wir glaubten in Senecas Polemik De superstitione3 und vielleicht in den Heraklitbriefen Spuren seiner Kritik zu erkennen (S. 120 ff.). Die Abneigung der Juden gegen die heidnischen Mysterien 1 Vielleicht ist also auch der vielbesprochene Vers 14, 7 f. in P.’ Sinn za erklären: ״gesegnet das Holz, darch das Rechtschaffenes geschieht; verflacht das Götzenbild“, d. h. die Erfinder nützlicher Verwendung des Holzes and ihre Erfindungen sind zu loben (=Sen. Ep. 90, 7), dagegen die ehrgeizigen Hersteller von Götzenbildern and ihre Werke zu tadeln (= Dio Präs. 12, 45 aus P.). 2 Freilich war der Gedanke verbreitet (Norden, Jbb. f. Ph. Sppl. XVIII 288) und ist daher für die Beurteilung von Phok. 229, wo das Judentum als oixatoaüvY); jiuaTjjpia gilt, nicht zu verwenden. 3 Wieder ist bei Minucius die Benutzung Senecas leicht za erweisen. Ich hebe heraus: Oct. 22, 9: Quid? qui sanguine suo Ubat et vulneribus suis supplicat non profanus melius esset quam sic religiosus? 10: defensio communis furoris furentium est multitudo; Stellen aus Seneca s. S. 121 f. Zar Kritik der römischen Staatsgötter 25,8 vgl. Bürger 21; sie steht bei Seneca mit der Polemik gegen die Mysterien in engem Zusammenhang. XXII

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.