Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1920 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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147 werke als Götter gelten lassen. . . (14, 13) Der Kult der Bilder war nicht von Anbeginn und wird nicht in Ewigkeit dauern; nur durch törichten Wahn1 entstand er, deshalb ist ihm ein jähes Ende zugedacht. Er entstand nämlich nach 14, 21 entweder aus Unglück oder durch den Fürstendienst2. Erste Möglichkeit (Y. 15, 16 a): ein Yater läßt ein Bild des frühverstorbenen Sohnes anfertigen, und der Familienkult entwickelt sich zur Yolkssitte. Zweitens wurden Abbildungen der Herrscher auf ihr Geheiß (16 b) oder freiwillig aus Liebe (17) angefertigt; und die Schönheit der Büder, für die der Ehrgeiz der Künstler sorgte (18 f.), riß die Masse mit fort (20). Dieser von unserem Weisheitslehrer durch Bibelsprüche unterbrochene Gedankengang. bildet quellenkritisch eine untrennbare Einheit. Denn die Schonung, mit der 13, 6 von der Verehrung der Sterne und der Elemente gesprochen wird, ist erst durch das 14, 13ff. folgende voll verständlich: die Sternanbeter sind verhältnismäßig milde zu beurteilen, milder nämlich als die Verehrer von Bildern, wiewohl auch die ersteren (13, 8) Tadel verdienen, wie wiederum mit einem Seitenblick auf die folgende Gruppe gesagt wird. Ja, die Gegenüberstellung geht noch weiter: von dem, was 14, 13 ff. über den Bilderdienst ausgeführt wird, gilt für den Dienst der Naturerscheinungen das gerade Gegenteil: ersterer ist willkürlich im Laufe der Zeit eingeführt worden, während die Einsicht in die Macht und Schönheit der peritopa auf <püa1<: und der Tätigkeit des voo; beruht, höschtwahrscheinlich also als ewig zu betrachten ist; in der Tat soll diese Einsicht ja im Gegensatz zum Bilderdienst (14, 13 f.) nicht etwa verschwinden, sondern nur durch den Schluß auf die Vortrefflichkeit des Schöpfers ergänzt werden. Selbstredend ist die Unterscheidung zwischen mehr oder minder zu verurteilender Götterverehrung griechischer Quelle entnommen: für die Bibel wie für das nachbiblische Judentum3 ist der Stemkult nicht minder Götzen- 1 Der Ausdruck xevoSoij'a findet sich, vom Irrglauben auch in der stoisierenden Darstellung der Brahmanen bei Hippolytos Bef. haer. I 24, 2 Doxogr. 573. 2 Die Einteilung zeigt, daß nach 16 a ein neuer Satz anfängt. Man hat zwar eingewandt, daß dann der Herrscherkult bald als erzwungen, bald als freiwillig hingestellt würde; aber diese unklare Wiedergabe der Quelle ist dem Vf. eher zuzutrauen als der helle Unsinn, Herrscher hätten den Familienkult gefordert. * 3 Die ״auffallend milde Polemik“ des Vf. gegen den Stemkult hebt Beitzenstein, Poimandres 78, mit Becht hervor; sie spricht aber eher gegen als für die Verbreitung des Kults in seinem Leserkreis und ist, wie jeder Kenner mischnischer Anschauungen weiß, aus dem Denken jüdischer Zeitgenossen des Vf. nicht ableitbar. XIX