Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1920 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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143 bezog. Ist diese Auffassung des Zusammenhangs richtig, so ,werden wir daran erinnern dürfen, welche grundlegende Bedeutung die Lehre von dem Geist als dem eigentlichen Ich des Menschen, wie wir S. 55 ff. sahen, für P. besessen hat 1 2. Zu ihm stimmt auch der Gedanke, in den unsere Stelle und die oben unter 4 besprochene ausmünden (8, 21 9, 17), daß niemand die Weisheit besitzen könne, dem Gott ihren Besitz nicht eröffnet, — ein Gedanke, der zwar bekanntlich dem Alten Testament keineswegs fremd3, an diesen zweifellos griechisch beeinflußten Stellen aber wohl auf eine hellenistische Quelle zurückzuführen und, wie wir anderwärts zeigten3, aus P.’ Einflußkreise zu belegen ist. Die genaue Betrachtung der Platonzitate genügt beinahe zur Lösung unserer Frage. Wären sie vom Yf. aus eigener Platonlektüre aufgenommen worden, so müßte er mindestens den Kratylos, den Phaidon, den Timaios gekannt haben. Wir wollen nicht fragen, wieso sich dann keinerlei Spuren der Schöpfungslehre, der Unsterblichkeitsbeweise und der etymologischen Methode finden, die der Weisheitslehrer, ,wie so manche seiner Gesinnungsgenossen, aus dem Studium jener Dialoge hätte entnehmen können. Aber will man unsrem Yf. wirklich eine derartige Vertrautheit mit jenen schwierigen Werken Zutrauen, daß er unwillkürlich aus dem Kratyloszitat (tizfizvfpivov) in den Ausdruck der Phaidonstelle (fieutcta/nivy: s. die unter 2 besprochene Stelle!) hinüberglitte, wie jemand, der seinen Platon aus dem Gedächtnis zitiert, — überdies aber das beträchtliche Maß von Selbständigkeit, das dazu gehört, die unter 1 und i behandelten Zitate mit ihrem stoischen Zusammenhang zu verschmelzen? Auch was sich sonst an philosophischem Gehalt in unserer Schrift findet, läßt P. als Vermittler durchaus denkbar erscheinen. So die Definition der Furcht (17,12;vgl.Plut. De superst. 165 D) als Preisgabe der Hilfsmittel der Vernunft, zumal die stoische Quelle des Hortensius (Fg. 40, 55) Definitionen der Tugenden, insbesondere der Tapferkeit, enthielt; gleiches gilt von den Berührungen von 8, 2 ff. mit dem Prodikosmythos 1 Man möchte erwägen, ob V. 19 gemeint sein kann: weil ich (Seele) rein war, wählte ich mir einen reinen Leib; denn das ist nach Platon Staat 617 £ ff. Sache der Seele, die dafür veiantwortlich ist; nnd bei Platons Einfluß auf P. maß mit der Möglichkeit der Uebemahme dieser Vorstellung gerechnet werden; ▼gl. auch Sen. Ep. 120, 17 corpus tarn putre sortiti. 2 Meinhold, Die Weisheit Israels (1908) 280 ff. 3 Monatsschrift für Gesch. and Wiss. des Judent. 64, 25 und oben S. 107; Sen. Ep. 73, 16 nulla sine deo mens bona est. XV