Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1920 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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kleinen und kleinsten Züge. Wenn mitfühlendes Verstehen die seelische Voraussetzung des Historikers ist, war Professor B r a n n gerade in der tiefen, scheuen Innigkeit seiner religiösen Treue berufen, Deuter der jüdischen Vergangenheit zu sein. Doch ebensosehr wie ihn seine Seele vor gefühlloser Ueberhebung, hielt ihn sein klarer Verstand und sein instinktsicherer Blick vor kritikloser Bewunderung zurück. Fest und sicher ergriff er in aller bunten Mannigfaltigkeit des Scheines den inneren Lebenskern, die Lebensrichtung der Menschen und ihrer Ideen. Und so groß seine wohlwollende Bereitschaft war, alles Menschliche gelten zu lassen, wahrhaft befriedigen konnte ihn nur, was als zuverlässig echt sich erwies. Seine Bewunderung aber gehörte denjenigen Persönlichkeiten, denen es gegeben war, von fester, im Grunde konservativer Gesinnung aus den Gehalt und die Formen tiefe des Judentums ihren Zeitgenossen zu lebendigem Bewußtsein zu bringen und so unmerklich das Neue des Zeitalters mit der verehrten Vergangenheit zu vereinen und zu versöhnen. Darum liebte er seine großen Lehrer, war ihm insbesondere Zacharias Frankel das große Vorbild seines Wirkens und Strebens, der Mann, der in einer bedrohlichen Zeitenwende der Fiit\rer des Judentums wurde durch die Begründung des Seminars auf die methodisch-wissenschaftliehe Erkenntnis des Judentums. Die Wissenschaft des Judentums war jenen Meistern und war Professor B r a n n der Führer, der unbeirrt von aller verwirrenden Mode weisheit der Zeit, jedoch im Einklang mit ihrer gesicherten Erkenntnis den Weg zu den ewigen Lebenskräften des Judentums bahnen sollte, der den Blick schärfte für die eigenartigen Lebensgesetze unserer Gemeinschaft, die nicht auf äußere Machtmittel, sondern auf die Macht des religiösen Geistes gegründet ist, und darum der geschichtlichen Kontinuität nicht entraten kann. Wissenschaftliche Erkenntnis der Vergangenheit im Dienste echter religiöser Erneuerung war ihm die Brücke über den Abgrund der Zeiten. So war seine wissenschaftliche Arbeit im tiefsten der Gegenwart gewidmet, wie er nicht müde wuirde,