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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1921-01-01 · 1920 (1921) · page 4

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1920 (1921)
Date
1921-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721025--03-2726173
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der Lehrer jüdischer Geschichte geM^esen. Was aber heißt es und will es bedeuten, der Historiker der jüdischen Geschichte zu sein? Aut diese Frage Antwort geben, heißt zugleich den Sinn und den Grund unseres ganzen Seminars enthüllen. Denn die Geschichte ist das Fundament, auf das unser Seminar gegründet ist. Wie der Mensch das Wesen ist, das nicht nur Gedächtnis für sein Wohl und Wehe hat, sondern den unendlichen Reichtum der Vergangenheit in seiner Seele besitzergreifend erfaßt, hat er auch ein Wissen davon, daß er nicht ein Kind des Tages ist, sondern aufgebaut auf einer Kette von Geschlechtern, die ungewußt und oft auch ungewollt weben an der Gottheit lebendigem Kleid. Im Strom des geschichtlichen Lebens wirkt göttliches Geheimnis heilige Lebensziele. Unsere Religion zu erfassen als göttliche Schöpfung im Strom der Geschichte, ist die Idee unseres Seminars. Der Historiker der jüdischen Geschichte ist berufen, sich in dieses Geheimnis zu versenken: die heiligen Quellen zu erfassen, aus denen der Lebensström des Judentums quillt, dem Strom in seinem Laufe zu folgen, der Gegenwart den tiefsten Dienst zu leisten, indem er ihr Heut auf ihr Ewiges gründet und richtet. So lebte Professor B r a n n der Erforschung und Erkenntnis der jüdischen Geschichte, sah er in unserer Religion nicht ein dem Geiste verschlossenes Müssen, ebensowenig aber die Willkür des besser wissenden Verstandes, sondern fesselte ihn gerade dies an der jüdischen Geschichte, daß sie nie bloße profane Weltlichkeit ist, sondern in ihr Zeitliches und Ewiges, Weltliches und Religiöses einander innig durchdringen. So war ihm die Geschichte des Judentums heiliger Boden, auf dem sich die Reihen der Ahnen erheben, von Gott gerufen zu Trägern seines Willens, religiöse Personlichkeiten, die in aller Klarheit des Tages doch 1m Ewigen leben. So zog ihn eine tiefe religiöse Sehnsucht hin zur vollkommenen Erkenntnis des Lebens der Ahnen, war ihm die Geschichte das Buch des Gedenkens, Jiskor. Und so groß war seine Ehrfurcht, daß ihm nichts zu gering war, das irgend Aufschluß geben konnte über ihr Leben und Streben, ja, erschloß sich die Weichheit seines Gemütes gerade in der pietätvollsten Erforschung ihres Erdenwallens bis in seine IV

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