Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
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54 legt, und daß endlich die Erfindungen, die die Wahrzeichen am Wege des Fortschritts sind, diesem Wege auch die Richtung yorgezeichnet haben. Hielten wir uns bei Definition unserer Art streng nur an das, was Geschichte und Vorgeschichte als bleibenden Charakter von Mensch und Intellekt zeigen, der Mensch hieße nicht homo sapiens, sondern homo faber. So ist der Intellekt ein Vermögen, künstliche Werkzeuge herzustellen. Hingegen ist der Instinkt das Vermögen der Anwendung‘ ja des Aufbaues organischer Werkzeuge. Der Instinkt findet sein Werkzeug in Greifweite: dieses Werkzeug, das sich selber verfertigt und ausbessert, das, wie alle Werke der Natur, grenzenloseste Kompliziertheit des Details mit wunderbarer Einfachheit der Funktion verbindet, tut unmittelbar, was ihm obliegt. Um den Preis freilich, an eine beinahe unveränderliche Struktur gebunden zu sein. Mit Notwendigkeit muß der Instinkt spezialisiert sein, da er nur Anwendung eines bestimmten Werkzeuges auf ein bestimmtes Objekt ist. Hingegen ist das verstandesmäßig geformte Werkzeug unvollkommen, aber weil es aus anorganischer Materie gefertigt ist, kann es jede Form annehmen, jedem erdenkbaren Gebrauche dienen, das Lebewesen aus jeder neu auftauchenden Schwierigkeit ziehen. Nach alledem stellen sich Intellekt und Instinkt als zwei divergente Lösungen eines und desselben Problems dar. Wenn daher Instinkt und Intelligenz beide Erkenntnisse in sich bergen, so ist die Art dieser Erkenntnis in beiden verschieden. Das Wissen des Instinkts ist nur latent, es veräußerlicht sich zu bestimmten Maßnahmen, statt sich zu Bewußtsein zu verinnerlichen. Diese Maßnahmen sind aber dem ,Wesen der Gegenstände, auf die gewirkt wird, genau entsprechend, als wenn eine Kenntnis der Gegensätze vorläge. Hingegen kennt der Intellekt keinerlei Dinge im Voraus, er besitzt kein apriorisches materielles Wissen. Das Feld der Intelligenz sind nicht die Dinge, sondern ihre Beziehungen. Die Kausalität, die er überall sucht und findet, ist der Ausdruck des handwerkenden, Werkzeuge verfertigenden Intellekts. Instinkt ist Sympathie. Vermöchte diese Sympathie ihren Gegenstand zu erweitern, vermöchte sie über sich selbst zu reflektieren, sie würde uns den Schlüssel des Lebensgeschehens reichen, wie der entwickelte und in Form gebrachte Intellekt uns in die Materie hineinführt. Mit Hilfe der Wissenschaft enthüllt uns der Intellekt immer restloser das Geheimnis der physikalischen