Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
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53 leben. In Insekten und Fischen aber behielt der Trieb zur Bewegung die Oberhand. Dabei ersetzen sie die Unzulänglichkeit ihrer Schutzdecke durch eine Behendigkeit, die ihnen gestattet, Feinden zu entschlüpfen, sie anzugreifen. In Wirbel- und Gliedertieren besteht der Fortschritt vorzüglich in der Entwicklung des nervösen sensorisch-motorischen Systems, das bei den Gliedertieren in den Insekten, vorzüglich gewissen Hymenoptera, bei den Wirbeltieren im Menschen kulminiert. Macht man sich nun deutlich, daß die Instinkte nirgends so hoch entwickelt sind, als bei den Insekten, speziell den Hymenoptera, so wird gesagt werden dürfen, die gesamte Entwicklung des Tierreichs habe sich auf zwei divergierenden Straßen vollzogen, deren eine zum Instinkt, die andere zum Intellekt führt. Pflanzliche Dumpfheit, Instinkt und Intellekt, das also sind die Elemente, welche in dem Tier und Pflanze gemeinsamen ursprünglichen Lebensimpuls zusammenwohnten und die im Lauf einer Entwicklung, während deren sie sich in unvorsehbaren Formen offenbarten, durch die bloße Tatsache des Wachstums auseinander traten. Nicht sind pflanzliches, instinktives, verstandesmäßiges Leben, wie Aristoteles meint, Stufen einer und derselben in Entwicklung begriffenen Tendenz, sondern die drei divergenten Richtungen einer Aktivität, die sich im Gang ihres Wachstums gespalten hat. Wie Pflanze und tierisches Leben, so sind Instinkt und Intellekt einander Ergänzung und Gegensatz. Es gibt keinen Intellekt, der nicht Instinktspuren auf wiese und keinen Instinkt ohne Beimischung von Intelligenz. Auch hier handelt es sich um Maßverhältnisse, Unterschiede der Proportion. Gleichwohl sind Instinkt und Intelligenz verschiedenen Wesens. Unzweifelhaft ist Intelligenz überall da, wo Folgerung ist. Folgerung aber, die im Umbiegen der vergangenen Erfahrung in Richtung der gegenwärtigen besteht, ist bereits ein Beginn von Erfindung. Und die Erfindung wird vollständig, sobald sie sich in einem gefertigten Werkzeug verkörpert. Hierauf als ihr Ideal zielt alle Intelligenz. Ob auch die* T iere im großen und ganzen nicht zur Formung und Benützung künstlicher Gegenstände vorschreiten, so bereiten sie doch ihre Instinkte hierauf vor. Was aber den menschlichen Intellekt betrifft, so ist nicht genügend beachtet worden, daß erstens die Erfindung sein Grundvorgehen gewesen ist, daß heute noch unser soziales Leben den Schwerpunkt auf die Verfertigung und Ausnützung künstlicher Werkzeuge