Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
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51 Momenten im Pflanzenreich beobachtet worden wäre. Der Unter״ schied liegt im Maßenverhältnis. Achtet man aber auf dieses Maßverhältnis, so ergeben sich in Tier und Pflanze verschiedene Tendenzen als vorherrschend, die zur Definition hinreichend sind. Diese Divergenz der Tendenzen zeigt sich zunächst in der Ernährung. Während die Pflanze die zur Erhaltung des Lebens nötigen Bestandteile unmittelbar aus Luft, Wasser und Erde entnimmt, vermag das Tier sich erst dann dieser Stoffe zu bemächtigen, nachdem sie durch Pflanzen oder Tiere, die sie wieder Pflanzen verdanken, in organische Form gebracht worden sind, derart, daß es immer wieder die Pflanze ist, die das Tier ernährt. Hierbei sei von fleischfressenden Pflanzen abgesehen, da nur eine dynamische Definition beider Reiche gegeben werden soll. Mit diesem Unterschied verknüpft sich ein anderer und tieferer. Weil das Tier den überall gegenwärtigen Kohlen- und Stickstoff nicht unmittelbar zu binden vermag, muß es zu seiner Ernährung Pflanzen aussuchen, die diese Elemente bereits gebuiiden oder Tiere, die sie dem Pflanzenreich bereits entlehnt haben. Das Tier ist also mit Notwendigkeit beweglich. Eine offenkundige Beziehung aber herrscht zwischen Beweglichkeit und Bewußtsein. Ist indessen das Bewußtsein Ursache oder Wirkung der Bewegung? Es ist Ursache in einem Sinn, weil seine Rolle darin besteht, die Ortsveränderungen zu lenken. Im anderen Sinn aber ist es Wirkung, denn die bewegende Aktivität selbst ist es, die das Bewußtsein lebendig erhält und es entschlummert, wo diese Aktivität verschwindet. So ist die Pflanze, die dem Boden verhaftet ist und durch die schon den einfachen pflanzlichen Organismus umschließende Zellulosemembran abgeschlossen ist, unbeweglich und der Mehrheit jener Reize, die auf das Tier als Empfindungsreize wirken, entrückt. Innerhalb gewisser Grenzen ist also das Tier durch Empfindungsvermögen und waches Bewußtsein, die Pflanze durch schlafendes Bewußtsein und Empfindungslosigkeit zu definieren. Der gemeinsame Ursprung von Pflanze und Tier aber gibt sich darin zu erkennen, daß beide Entwicklungstendenzen in beiden Reichen nicht prinzipiell getrennt sind, sondern nur durch verschiedene Maßverhältnisse sich charakterisieren. Es ist dieselbe Schwungkraft, die ihre verschiedenen Tendenzen in Pflanze und Tier ausprägte. Herstellung des zur Erhaltung des Lebens nötigen Explosivstoffes ist die Funktion der Pflanze, Ausgabe dieses Explosivstoffes in ortsverändemder Bewegung die Funktion des