Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
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50 fügen, verschwinden. Ein anderes indes ist Anerkennung der äußeren Ursachen als Mächte, mit denen die Entwicklung zu rechnen hat, ein anderes ihre Einsetzung zu lenkenden Ursachen dieser Entwicklung. Eben diese Behauptung ist die des Mechänismus. Sie schließt die Hypothese einer ursprünglichen Schwung־ kraft, eines inneren Dranges, der das Leben über immer vielgliedrigere Formen zu immer höheren Bestimmungen emporträgt, absolut aus. In Wahrheit erklärt die Anpassung wohl die Krümmungen der Entwicklungsbewegung, nicht aber ihre Hauptrichtungen und noch viel weniger die Bewegung selbst. Ist aber die Entwicklung des Lebens etwas ganz anderes als eine Reihe von Anpassungen an zufällige Umstände, so ist sie darum genau so wenig die Verwirklichung eines Planes. Ein Plan ist im Voraus gegeben, mag seine Ausführung auf ferne Zukunft verschoben werden. Verwirklichte das Leben einen Plan, so müßte je im Maße seines Vorrückens eine immer höhere Harmonie offenbar werden. Hingegen ist das Leben eine Energie, die sich in Richtungen auseinanderlegt, die unversöhnlich bleiben. Es nimmt die Disharmonie der Arten stetig an Schärfe zu. Aber es gibt auch Arten, die stehen bleiben oder sich rückbilden, so daß der Fortschritt nur auf zwei oder drei großen Entwicklung^־ bahnen stattfindet. Die Entwicklung des Lebens folgt keinem Plan, sondern ist Schöpfung, die sich kraft einer Ursprungsbewegung ohne Ende fortsetzt. Und diese Bewegung ist es, die die Einheit der organischen Welt ausmacht, eine fruchtbare, eine grenzenlos reiche Einheit. Ist es ausgeschlossen, die Entwicklung des Lebens voraus- Zusehen, so ist es zur Zeit auch nicht möglich, eine Geschichte der stattgehabten Entwicklung zu schreiben. Dazu ist unsere Kenntnis der Tatsachen noch zu unvollständig und unsere Deutung der Tatschen noch zu strittig. Immerhin lassen sich gewisse Hauptlinien der Entwicklung erkennen, insbesondere die Hauptrichtung der Entwicklung, die von der Pflanze zum Tier, zum Menschen führt. Pflanze, Tier und Mensch ergeben sich uns als divergierende Tendenzen, aufeinanderfolgende Schöpfungen des Lebens. Alle unternommenen Versuche zu strengen Definitionen des Pflanzen- und Tierreiches sind gescheitert. Keine einzige Eigene Schaft pflanzlichen Lebens gibt es, die nicht in irgend einem Grad bei gewissen Tieren wiedergefunden, keinen charakteristischen Zug des Tierischen, der nicht bei gewissen Arten oder in gewissen