Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
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43 zum Begriff des Gegenstandes und endlich die von bestimmten logischen Voraussetzungen des Kausaldenkens geleitete Zusammen- Ordnung der Gegenstände der Erfahrung zur Einheit einer Erfahrungswirklichkeit. Die einzige wahrhaft-reale Grundlage dieser Konstruktionen sind die Empfindungen als Bewußtseinselemente. Darum ist das Psychische, das Bewußtsein und seine Inhalte, die absolute Realität und die Körperwelt eine räumlich-zeitliche Ordnung der Bewußtseinsinhalte, eine Vorstellungsweise des Geistes. Wie ist diese Ordnung der chaotischen Bewußtseinsinhalte zu einer gesetzlich zusammenhängenden Erfahrungswelt möglich? Wie ist es möglich, die subjektiven Empfindungen in eine Ordnung von Begriffen zu übersetzen, die nicht nur logisch zusammenhängend ist, sondern auch Grundlage unseres Handelns, unserer Berechnung der Zukunft, unseres Lebens zu werden vermag? Wie vermag die gedankliche Konstruktion mit der Wirklichkeit objektiv zusammenzutreffen, was doch notwendig ist, wenn die Theorie Grundlage unseres aufs Handeln gestellten Lebens werden soll? Im Handeln überschreiten wir die Sphäre des Subjekts und setzen uns zu einer von uns unabhängigen Wirklichkeit in Beziehung. Nur wenn unsere Theorie mit der Wirklichkeit übereinstimmt, vermag unser auf die Theorie gestütztes Handeln dem Zusammenbruch zu entgehen. Kann dies eine Theorie, die eine freie Schöpfung des Verstandes aus nur subjektiven Bewußtseinselementen ist? Nimmt der Idealismus seinen Standpunkt im Geist, wie findet er sich zur Wirklichkeit zurück? Hier setzt Bergsons Theorie über das Verhältnis von Leib und Seele ein. Der Ausgangspunkt des Idealismus ist richtig und notwendig. Unser selbst sind wir unmittelbar gewiß, von der außersubjektiven Wirklichkeit haben wir eine durch unsere Subjektivität bedingte Erkenntnis. Aber es ist irrig, wenn der Idealismus in der Konstruktion der Erkenntnis durch das erkennende Ich eine rein spekulative Tätigkeit sieht, in den Empfindüngen die rein theoretische Grundlage für den Aufbau der Erfahrungswirklichkeit, in Raum, Zeit, Kategorien die objektiven Ordnungen, die die Empfindungswirklichkeit zur Erfahrungs- Wirklichkeit objektivieren. Nicht erst beim Übergang von der Theorie zur Praxis verlassen wir die Sphäre des subjektiven Innenlebens, um uns zur außersubjektiven Wirklichkeit in Beziehung zu setzen, wobei es dann rätselhaft bleibt, wie das wirklichkeitsentrückte Denken