Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2720904-2721027--36-2726135- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
38 möglich ist und was sie bedeutet. Da aber die psychologischen und erkenntnistheoretischen Probleme in späteren Teilen dieser Arbeit eingehend erörtert werden sollen, hier vor allem die naturphilosophische Bedeutung des Gegensatzes von Mechanismus und Idealismus herauszuarbeiten ist, kann die notwendige psychologische und erkenntnistheoretische Begründung einer biologischen Metaphysik an dieser Stelle nur in Kürze erfolgen. Die Tatsache einer biologischen Metaphysik ist in verwandter Grundauffassung in den Systemen Schopenhauers, Ed. von Hartmanns, Nietzsches, Bergsons, Simmels gegeben. Unserer Methode folgend, die uns beschäftigenden Probleme auf Grund der schärfsten Ausprägung einer Denkrichtung zu entwickeln, lassen wir daher auf den Neo-Darwinismus Weismanns, den Neo-Lamarckismus von Delage, den Evolutionismus Bergsons folgen. Denn Bergson errichtet das Gebäude der biologischen Metaphysik, wie mit dem besten biologischen Wissen unserer Zeit, auf dem Grunde einer bedeutsamen psychologischen und erkenntnistheoretischen Fundierung, so daß wir durch Bergson zugleich in die Begründung der Notwendigkeit einer metaphysischen Behandlung des biologischen Problems und in die metaphysische Problemlösung eingeführt werden. Vorerst aber die Einwände gegen die Lamarckistische Entwicklungstheorie. a) Kritik des Lamarcki s m u s. Das entscheidende Prinzip des Lamarckismus ist, daß er die Entwicklung der Arten nicht wie im Darwinismus durch den Mechanismus der zufälligen Variationen und Selektion des Passenden, sondern durch die Aktivität der Organismen bestimmt sein läßt, die Angepaßtheit der Arten aus der aktiven Anstrengung der individuellen Anpassung an die Lebensbedingungen und aus der Vererbung der erworbenen Eigenschaften ableitet. Eine Kritik des Lamarckismus wird also vor allem zu prüfen haben, ob diese Voraussetzungen des Lamarckismus wirklich als Grundläge der Struktur der Arten anerkannt werden können. Hier nun ist naturgemäß insbesondere der Neo-Darwinismus eifrig bemüht, diese Voraussetzungen als falsch zu erweisen״ Insbesondere weist Weismann nach, daß wichtige Eigenschaften der Organismen nicht auf aktiver Anpassung beruhen können. Dies gilt insbesondere von den morphologischen Charakteren.,