Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
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36 oder eine andere äußere Kraft bringt früher oder später diese oder jene Anlagen zur Entwicklung und entscheidet darüber, welche dieser Anlagen sich weiterentwickeln. Diese Wirkung wird dem Reiz aber erst durch die vorherige Existenz individueller Unterschiede zwischen den Anlagen ermöglicht d. h. durch präformierte Anpassungen, die durch Selektion entstanden sind. So verursacht bei den Bienen eine minderwertige Nahrung die Aktivierung derjenigen Determinanten, die zur Entwicklung eines rudimentären Ovars und aller sekundären Geschlechtsmerkmale führen, welche die Arbeiterin von der Königin unterscheiden. Nach Spencer hingegen sind die Neutra lediglich verkümmerte Weibchen, so daß im Bedarfsfälle durch bessere Ernährung aus Arbeiterinnenlarven Königinnen gezüchtet werden können. Die experimentellen Beweise für die Vererbung erworbener Eigenschaften sind zwar ziemlich zahlreich, aber von ungleichem Wert: Verstümmelungen, Verletzungen, Amputationen sind nicht erblich. Bei bakteriellen Erkrankungen ist eine direkte Übertragung auf den Keim des Kindes möglich, so daß sie nicht als Beweise für Vererbung erworbener Eigenschaften angesehen werden können. Das Gleiche gilt für Krankheiten, die die Bildung von Toxinen bewirken, da die toxische Substanz direkt aus dem elterlichen Organismus in den des Kindes übergehen kann. Brown- Sequard erzeugte an Tausenden von Meerschweinchen durch bestimmte Verletzungen des Nervensystems eine Form von Epilepsie. Die Nachkommen der operierten Tiere zeigten dann zum Teil die gleiche Form der Epilepsie. Doch Weismann erhebt gegen diesen Beweis den Einwand, daß die Epilepsie vielleicht auch eine bakterielle Erkrankung sei. Von anderer Seite ist eingewandt worden, daß die Meerschweinchen überhaupt leicht zur Epilepsie neigen, das Zusammentreffen im Experiment also zufällig sein kann. Sodann wurden Fälle untersucht, bei denen durch äußere Einflüsse hervorgerufene Abänderungen sich bei den Nachkommen wiederfinden. In diese Klasse gehören zum Beispiel die Ahpassungen der Pflanzen an verschiedene Klimate. Aber in diesen Fällen dauert die bewirkende Ursache der Veränderung weiter an, so daß die Vererbung selbst fraglich ist. Es gibt aber auch Fälle, wo die Veränderung durch Generationen erhalten bleibt, auch wenn die klimatischen und Emährungsursachen, die die Veränderung hervorgerufen haben, fortfallen. Besonders wurde dies an Schmetterlingsraupen studiert. Doch sind auch diese Versuche mehrdeutig. ✓