Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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32 aufeinander folgende Mutationen sich hierzu entwickeln. Ist aber auch die Naturzüchtung nicht die Ursache der Artentstehung, so wird die arterhaltende Kraft der Selektion nicht bestritten. 3. Lamarckismus. Die gewichtigen Zweifel an der Darwinistischen Selektionslehre, insbesondere in der Ausprägung, die diese Theorie durch den Neo-Darwinismus erfahren hat, führte seit den achtziger Jahren zu immer weiterer Anerkennung der durch den Darwinismus verdrängten Lamarckistischen Entwicklungstheorie. Wenn der Neo-Darwinismus die wissenschaftliche Form der Bonnet'sehen Evolutionstheorie ist, indem alle Entwicklung im Keime präformiert ist, wie wenig die zufällige Variation des Keimplasmas der Präformation des Organismus im Ei im Sinne jener Theorie gleicht, so dürfen wir im Lamarckismus die wissenschaftliche Form der Wolff’sehen Epigenesistheorie erblicken, der Theorie der allmählichen Ausbildung und Entwicklung der Organe durch Neu- und Umbildung. a) Lamarckistische Theorie. Indem Lamarck, ein halbes Jahrhundert vor Darwin, die theologische Erklärung der Zweckmäßigkeit der Organismen durch einen Schöpfungsakt Gottes ablehnt, stand er vor dem Problem, die unbestreitbare Zweckmäßigkeit der Arten aus ihren natürlichen Ursachen zu erklären. Insbesondere galt es, die Übereinstimmung der Organismen mit den Lebensbedingungen, auf welche sie angewiesen sind, verständlich zu machen. Gerade wenn, wie Lamarck bereits annahm, die Organismen in ihrer Organisation nicht konstant sind, kann diese Übereinstimmung nicht eine fertige Tatsache von Anfang gewesen sein, sondern muß diese selbst geschichtlich zu begreifen sein. Die für die Erhaltung der Organismen so geeigneten mannigfaltigen Funktionen können also nicht als bloße Wirkung zweckvoller Organe angesehen werden, sondern diese zweckvollen Organe müssen in den Ur- Sachen ihres Daseins aufgehellt werden. Für eine ursächliche Erklärung der Organe aber bleiben für Lamarck nur zwei Faktoren: die Wirkung der Lebensbedingungen und der Selbsterhaltungswille der Organismen. Bei Pflanzen sowohl wie bei Tieren kann man sich überzeugen, daß ,,in dem Maße, als die Verhältnisse des Wohnorts, der Lage, des Klimas,