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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1920-01-01 · 1919 (1920) · page 29

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1919 (1920)
Date
1920-01-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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30 diesen Fällen über das Überleben, wie bei einem Eisenbahnunglück nicht die Kräftigsten gerettet werden. Zu dieser Kritik der Argumente, auf die sich die Darwinistische Theorie stützt, kommt nun der positive Erweis, daß die Entwicklung der Arten gar nicht auf der Grundlage richtungsloser, unmerklicher Variationen und der passiven Auswahl durch das Überleben des Passenden ruht, sondern daß die zu Arten führenden Variationen gerichtet und plötzlich sind und die Organismen aktiv büdende innere Kräfte besitzen. An dieser Stelle seien nur diejenigen Theorien erwähnt, die die reine empirische und physiologische Basis nicht verlassen. Zahlreiche Tatsachen deuten darauf hin, daß die Variationen der Organe und Strukturen nicht richtungslos sind, sondern die Tendenz haben, eine bestimmte Richtung innezuhalten und dies auch dann, wenn die Kontinuität der Richtung den so variierenden Arten schädlich ist. Zu dieser Anschauung sind viele Paläontologen auf Grund ihrer Untersuchungen fossiler Organismen gelangt. So starben die Riesenreptilien der Kreidezeit aus, weil ihre exzessiven Größenverhältnisse und Unbeholfenheit ihre Existenz Unmöglich machten. Die gleiche Erscheinung der unmäßigen Variation in bestimmter Richtung zeigen die Dimensionen des Geweihs der fossilen inländischen Hirsche, die riesigen eingerollten Hauer des Mammuts usw. Aber auch heut gibt es solche Beispiele: die allzugroße, die Grenze der Nützlichkeit übersteigende Ähnlichkeit vieler Schutzfärbungen, die übermäßig entwickelten Hauer beim Hirscheber. Andererseits ist die Variationsmöglichkeit auch insofern nicht richtungslos, daß sie in bestimmte Grenzen eingeengt ist. So ist es noch niemals gelungen, ein blaues Maiglöckchen, ein Gras mit geteilten Blättern zu züchten. Diese Tatsache der bestimmt gerichteten Entwicklung kann nur erklärt werden aus einer spezifischen Reaktion der Organismen auf bestimmte Reize. Der Organismus bleibt nicht passiv, er reagiert auf die äußeren Bedingungen in einer seiner Individualität entsprechenden Weise. Und diese Reaktion ist die Ursache der Entwicklung. So beruht die Entwicklung nicht auf richtungslosen, sondern aus der Eigentümlichkeit der Arten hervorgehenden, bestimmt gerichteten Variationen. Die Selektion schafft keine neuen Arten, sie wirkt nur erhaltend oder vernichtend auf die, unabhängig von Nutzen oder Schaden aus der inneren Eigenart auf Grund der äußeren Bedingungen hervorgehenden, bestimmt gerichteten zu neuen Arten fortschreitenden Variationen. Die

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