Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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28 nur zu sehr an innere teleologisch wirkende Kräfte erinnern. Auch der Grundgedanke der Bestimmung der Entwicklung durch repräsentative Teile des Keimplasmas ist sehr umstritten. So gehört die Vererbungslehre zu den am wenigsten geklärten und gesicherten Teilen der Darwinistischen Theorie. Außerdem aber müßte die Vererbung, um der Selektionstheorie gerecht zu werden, zwei entgegengesetzte Funktionen verrichten. Sollen die unbedeutenden nützlichen Varianten durch Vererbung erhalten werden, so müßte die Vererbung die Kinder den Eltern derart ähnlich gestalten, daß auch die kleinsten Variationen wiederholt werden. Andererseits muß aber Raum für das Variieren bleiben, ohne welches nützliche Varianten nicht auf treten können. Endlich setzt die Darwinistische Theorie nicht nur eine Vererbung der unbedeutenden Variationen voraus, sondern zugleich ihre Steigerung durch Summation. Was berechtigt aber zu der Annahme, daß irgend ein Merkmal, sei es noch so nützlich, bei den Nachkommen stärker entwickelt sein muß, als bei den Eltern? Die Vererbung kann daher nur die Fortdauer, nicht die Steigerung der Variationen erklären, die gerade für die Entstehung der Arten notwendig ist und wieder eine Sache des Zufalls bleibt. Am gesichertsten erscheint die Tatsache der Überprod 11 k t i o n der Organismen, mit welcher die vorhandene Nahrung im Mißverhältnis steht, so daß die natürliche Auswahl des Passenden notwendig wird. Wirklich besteht aber dieses Mißverhältnis nur zwischen der Zahl der Keime, Eier, Samen, lebendig geborenen Jungen und der Nahrung, so daß eine Auswahl nur diese Keime usw. treffen kann. Damit ist aber keineswegs eine Auswahl der besser ausgerüsteten fertigen Organismen gegeben. Außerdem gibt es ganze Klassen von Tieren mit so kleinem Vermehrungskoeffizienten, daß für sie die Wahrscheinlichkeit, auf solchem Zufallswege in den Besitz ihrer Zweckmäßigkeit gelangt zu sein, gleich Null ist. Gerade die Säugetiere verbinden mit einer kleinen Vermehrung die höchste Differenzierung der Art. Am energischsten ist naturgemäß der Widerspruch gegen das entscheidende Darwinistische Prinzip der natürlichen Zuchtwahl. Schon das theoretische Fundament, die Übertragung der Zuchtwahl vom Züchter auf die Natur wird bestritten: Entweder arbeitet die natürliche Zuchtwahl mit plötzlichen Änderungen von bedeutendem Betrage oder mit bedeutungslosen