Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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27 angenommen werden. Müßten dagegen die Variationen schon einen bestimmten Grad von Regelmäßigkeit und Kompliziertheit haben, so liegt das ganze Problem der Entwicklung bereits in dieser Annahme. Wenn es mm auch theoretisch möglich ist, daß jedes Organ und jeder Organismus aus der Summe solcher Differentiale hervorgeht, so ist der Darwinismus als empirische Naturwissenschaft doch verpflichtet, zu erweisen, daß die konkreten Einzelfälle eine solche Erklärung zulassen. Eine solche Erklärung aber machen unwahrscheinlich all diejenigen Organe, deren Bau so kompliziert ist, daß sehr viele Teile unabhängig von einander so variiert haben müssen, daß die Einheit des Organs zustande kommt. Ist die mechanistische Erklärung des Baues dieser Organe an sich unmöglich ohne die Hypothese an־ endlicher Fehlkombinationen, so wächst die Schwierigkeit und damit die Unwahrscheinlichkeit bei den symetrischen und horaodynamen Organen, die eine gleichsinnige zufällige Variation der homodynamen Organe zu einheitlichem Zusammenwirken voraussetzen. Desgleichen beruhte die Beziehung verschiedener Organe zu einander, etwa zwischen Muskel und Nerv, oder von Zentrum und Organ auf einer sehr großen Zahl zufälliger Variationen. Es ist aber ein Widerspruch, für die Entstehung homologer Gebilde den Kausalzusammenhang der Abstammung herzustellen, homodyname Gebilde aber *durch den Zufall entstehen zu lassen. Sodann ist es sehr umstritten, ob zufällige, unbedeutende Variationen artbildende Kraft haben. Abgesehen davon, ob sie der natürlichen Zuchtwahl überhaupt eine Handhabe der Auslese bieten, ist es fraglich, ob solche durch kleinste individuelle Variationen entstandenen Arten, gleichviel ob durch künstliche oder natürliche Zuchtwahl entstanden, bestehende Arten bleiben Demnach könnten die bestehenden Arten gar nicht durch Summierung unbedeutender Variationen entstanden sein. Wie schwer es dem Darwinismus ist, die Tatsache der Vererbung als mechanischen Vorgang zu erfassen, haben wirgesehen. Die Weismannsche Keimplasmatheorie mit ihrer Hypothese der Ide, Determinanten, Biophoren ist der kühnste Versuch, orgairisches Geschehen der mechanischen Betrachtungsart zugänglich zu machen. Abgesehen aber von dem hypothetischen Charakter der Elemente des Keimplasmas, ist sich W. selbst, wie wir gesehen haben, wohl bewußt, daß die Biophoren das ganze Problem der lebenden Substanz in sich enthalten, wie die ,,vitalen Affinitäten‘4