Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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25 ist, daß die organische Natur durch dieselben Prinzipien zu erkennen ist, wie die anorganische Natur. Darum die Ausschaltung der Kausalität des Zweckes, die prinzipielle Ablehnung aller teleologisch gerichteten inneren Kräfte. In dem Prinzip der natürlichen Zuchtwahl glaubt der Darwinismus das Fundament einer mechanischen Erklärung der Zweckmäßigkeit des Organischen zu besitzen. Personalselektion, Histonalselektion, Determinanten, Germinalselektion sind die Formen der Durchführung dieses Prinzips. So ruht der Darwinismus auf der philosophischen Überzeugung, daß die Natur nur als Mechanismus zu erkennen ist. 2• Kritik des Darwinismus. Gerade der innige Zusammenhang des Darwinismus mit dem Naturbegriff und der Methode der anorganischen Naturwissenschaft macht es fast unmöglich, gegen die Methode des Darwinismus Einspruch zu erheben, ohne in den Verdacht zu geraten, Gegner der methematisch-mechanischen Naturerkenntnis überhaupt zu sein. Je großartiger aber die Erfolge der mathematisch-mechanischen Methode der Naturwissenschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf fast allen Gebieten der Naturerkenntnis waren, je umfassender nud intensiver die so gewonnenen Erkenntnisse der industriellen Beherrschung der Natur dienten und zur Grundlage der Zivilisation wurden, um so mehr schien es ein Frevel, an der Alleingültigkeit der mathematisch-mechanischen Methode zu zweifeln, wurde die Methode zum Dogma, zur allein berechtigten Grundlage nicht allein der Naturwissenschaft, sondern der Wissenschaft überhaupt. Sozialwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Psychologie, Ethik, Kunst wurden in der Methode der Naturwissenschaft als mechanisch kausaler Prozeß betrachtet, die Kultur als ideologischer Überbau angesehen, der nur die realen Verschiebungen der Lebensmaterie, der natürliehen und wirtschaftlichen Grundlagen des menschlichen Lebens, im Bewußtsein spiegelt, ohne das Bewußtsein und Wille schaffende Kräfte wären. Der Dogmatismus der Methode wurde philosophisches Dogma der materialistischen Welt- und Lebensanschauung. Erst in den neunziger Jahren ebbte allmählich die materialistische Flut ab und so wenig die anorganische Naturwissenschaft einen Grund hatte, ihre Methode zu ändern, hörte sie doch auf, die alleinige wissenschaftliche Methode zu sein. Die Kultur- Wissenschaften erkannten ihr selbständiges Forschungsziel und