Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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23 .Tieren und Pflanzen, welche sich durch Keimzellen, Knospen usw. fortpflanzen, sondern auch von allen Einzelligen. Denn auch sie besitzen eine Anlagesubstanz in den Zellkernen, ohne welche sie ihren Körper nicht aufbauen können. Aber auch die niedersten bekannten Organismen, welche keine Zellkerne mehr haben, sind doch noch aus ungleichen lebenden Teilen zusammengesetzt und können nur von ihresgleichen abstammen. Selbst die physiologischen Einheiten, die Biophoren, aus denen der Darwinismus das Keimplasma zusammengesetzt denkt, sind von ihm durchaus als lebende Einheiten gedacht. ״Es muß unzählige Biophorenarten in all den verschiedenen Teilen der Millionen von Lebensformen geben, die heute auf der Erde leben, alle müssen aber nach einem gewissen Grandschema gebaut sein, welches eben ihre wunderbare Tätigkeit bedingt, zu leben; alle besitzen die Grandeigenschaften des Lebens, dissimilieren, assimilieren, wachsen, vermehren sich durch Teilung. Auch Bewegung und Empfindung werden wir ihnen in irgend einem Grad und Sinn zusprechen müssen.“ (Weismann I, S. 302.) Die Biophoren aber setzen nicht wieder notwendig voraus, daß, wenn sie auch im Organismus sich nur durcheinander vermehren, sie auch stets organischen Ursprung haben. Ihnen gegenüber ist Urzeugung nicht etwas Undenkbares. Selbst wenn aber die Biophoren zu irgend einer Zeit anorganisch entstanden sind, ist es unmöglich, Urzeugung je direkt zu beobachten, da die Biophoren unterhalb der Grenze der Sichtbarkeit liegen. Bezüglich des chemischen Problems, das in dem Problem der Urzeugung gestellt ist, enthält sich der wissenschaftlich vorsichtige Darwinismus eines entscheidenden Urteils. Einerseits betont er, daß ״chemische Substanzen keine lebenden Einheiten sind, die sich ernähren und fortpflanzen, die assimilieren und gegen die Assimilitationskraft des umgebenden Protoplasmas gefeit sind. — So werden wir von allen Seiten darauf hingewiesen, daß die Keimsubstanz ihre wunderbare Entwicklungskraft nicht nur ihrer chemisch-physikalischen Beschaffenheit im ganzen verdankt, sei sie nun ungemein einfach oder fabelhaft kompliziert, sondern dem Umstand, daß sie aus Zellen und verschiedenartigen ״Anlagen“ besteht d. h. aus Gruppen lebender Einheiten, mit den Kräften des Lebens ausgerüstet.“ (Weismann I, S. 328.) Andererseits muß es als möglich erscheinen, Eiweiß aus anorganischen Verbindungen herzustellen, wie dies in den Pflanzen geschieht und würde damit für die Urzeugung ein festerer Boden