Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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22 Wie es die Determinanten zuwege bringen, den fehlende# Organismus aufzubauen, ist so wenig zu erklären, wie die Aufeinanderfolge der Entwicklungsstadien des Organismus nicht anders als auf ,,vitale Affinitäten“ d. h. unbekannte innere Kräfte zurückgeführt werden mußte. ״Daß hier ordnende Kräfte tätig sind, wie wir sie schon für. die Teilung und Regeneration der Einzelligen annehmen mußten, über deren Natur wir aber für jetzt noch nichts Genaueres aussagen können (nennen wir sie ״Polaritäten“ oder wie ich vorziehen möchte ״Affinitäten“), das zeigen viele der unzähligen Versuche, welche grade mit dem Süßwasserpolypen angestellt sind.“ (Weismann II, S. 5.) Diese ordnenden Kräfte sind aber materiell an die Determinanten gebunden, mithin lokalisiert und dürfen nicht mit einer allgemeinen inneren Lebenskraft identifiziert werden. Auch die berühmte Erneuerung der Tritonlinse, die G. Wolff zur Aufgabe der mechanistischen Lebenstheorie bestimmte, ist somit auf lokale Reizung der Determinanten zurückzuführen. Jede mechanische Reizung irgend einer Stelle an der Hinterwand und dem Rande der Iris des Triton wird mit der Bildung einer Linse beantwortet, auch wenn sich unnötigerweise zwei Linsen bilden. Ist auch der Mechanismus der Regeneration nicht aufgeklärt, so ist doch zu beachten, daß die Regeneration bei leicht verletzten Teilen des Organismus besonders ausgeprägt ist. So büdet die Regeneration ein Mittel der Erhaltung der Lebewesen und dürfte auch auf Naturzüchtung zurückzuführen sein. Es ist das Ziel der Forschung, die Regeneration als einen Mechanismus aufzuklären, der auf Anpassung beruht. Obwohl der Darwinismus alle Lebensvorgänge mechanisch zu verstehen sucht, wäre es doch verfehlt, anzunehmen, der Darwinismus mache überhaupt keinen Unterschied zwischen dem organischen Geschehen einerseits und dem Reich der anorganischen Natur andererseits. Vielmehr betont er den historischen Charakter der Entwicklung der Arten und der Ontogenese. Wie die Kontinuität des Keimplasmas die geschichtliche Einheit der Arten, die Ontogenese aus dem Keim den Zusammenhang des Organismus begründet, schließt es der Darwinismus aus, daß eine Art oder ein Organismus aüf dem Wege der Urzeugung aus der anorganischen Natur entstanden wäre. Dies gilt nicht bloß von allen vielzelligen