Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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19 an sich ziehen und dementsprechend stärkere und zahlreichere Nachkommen haben und so die Determinanten einer bestimmten Art sich vermehren. Diese Ungleichheiten des Keimplasmas vererben sich in die zweite Generation und steigern sich hier aus denselben Gründen, so daß kontinuierlich eine Verstärkung der Variation eintritt. Der Kampf um die Nahrung verwandelt die ersten unmerklichen Variationen in sich kontinuierlich steigende bis zur Veränderung der Art. So setzt sich der Kampf ums Dasein vom Kampf der Arten, der Individuen, der Teile des Organismus bis in den Kampf der Biophoren fort. Die Germinalselektion führt die Darwinsche Idee der natürlichen Zuchtwahl bis in die Veränderungen der letzten Lebenseinheiten hinein und erweist die Allmacht der Naturzüchtung. Die Differenzierung der Zellen durch repräsentative Lebenseinheiten, die Biophoren und die kontinuierliche Veränderung der Biophoren durch ihren Kampf ums Dasein sind die mechanistischen Grundlagen der Ontogenese und der Entwicklung der Arten. Ehe wir zu einer Kritik dieser Methode, wie des Darwinismus überhaupt schreiten, haben wir die Stellungnahme des Darwinismus zur dritten Tatsachenreihe, die die organische Natur von der anorganischen unterscheidet, darzustellen: die mechanistische Erklärung von Instinkt, Regeneration, Vermehrung, Ernährung, Stoffwechsel, d. h. die mechanistische Erklärung des Lebens. c) Die Entstehung des Lebens. Auch hier ist es nicht unsere Aufgabe, alle mechanistischen Lebenstheorien wiederzugeben, sondern folgen wir wieder dem Führer der Darwinistischen Schule, der Deszendenztheorie Weismanns: Zu den eigenartigsten Betätigungen der Organismen gehören die Instinkthandlungen. Sie halten die Mitte zwischen den Reflexhandlungen, die rein mechanisch sind, und den Willenshandlungen, die Bewußtsein und Denken zur Voraussetzung haben. Die Möglichkeit, die Letzteren auf mechanischer Grundläge zu erklären, gehört zu den schwierigsten Kapiteln deT Psychologie und soll bei der Darlegung des Verhältnisses der Biologie zur Psychologie behandelt werden. Ob aber die Instinkte als Reflexhandlungen und somit mechanisch oder als gewohnheitsmäßig gewordene Willenshandlungen aufzufassen sind, ist von grundlegender Bedeutung für die Theorie des Organischen.