Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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16 Zerstörung des Unpassenden, züchtet das Zweckmäßige und steigert es notwendig in der Kontinuität der Entwicklung zu immer höheren Formen der Anpassung. Die Strenge dieses Gesetzes bewirkt im Untergang des Ungenügenden zugleich den Reichtum des nicht endenden Fortschritts der Entwicklung. Denn nur durch die höhere Form vermag sich das Leben zu erhalten. Es eröffnet sich uns die Perspektive, welche Bedeutung diese Theorie der natürlichen Zuchtwahl wie für die Natur- Philosophie, so auch für die Kulturphilosophie erhalten mußte. b) Die Entwicklung des Einzelwesens. Gleich groß und schwierig wie die Aufgabe der Erklärung der Entwicklung der Arten aber ist die nunmehr sich ergebende Frage nach den Ursachen der Entwicklung des Einzelwesens. In gewisser Hinsicht noch schwieriger. Denn für die Entwicklung der Arten stand eine fast unendliche Zeit zur Verfügung. Welches aber sind die realen Ursachen, die in zu beobachtender kurzer Zeit in kontinuierlicher Entwicklung den ungeheuren Reichtum komplizierter Organe und Funktionen erzeugen, die die Einheit des Organismus bewirken? Wie ist die sich immer neu wiederholende Entwicklung des Organismus mechanisch zu begreifen? Was bewirkt die differenzierte Entwicklung des Keimes zu Form und Leben des Organismus? Zur Lösung dieser Aufgabe, eine Mechanik der Entwicklung zu geben, knüpfte der Darwinismus an die Gedankenarbeit der modernen Entwicklungstheoretiker, an Spencer, Nägeli, de Vries an. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, diese Theorien einzeln zu entwickeln, da es uns unter philosophischem Gesichtspunkt vor allem auf die Methode des Beweisganges ankommt. Diese Methode als eine mechanistische nun besteht in der Zurückführung der Lebenserscheinungen auf Veränderungen der Form, Ordnung, Beschaffenheit der physiologischen Einheiten, aus denen der Organismus aufgebaut ist, so wie Physik und Chemie die anorganischen Prozesse als Veränderungen der Form, Ordnung, Beschaffenheit der physikalischen Einheiten zu erkennen sucht. Im Speziellen gehen die Theorien, denen auch die Darwinistische angehört, nämHch die mikromeristischen Theorien über die morphologische Einheit der Zelle noch hinaus und sehen in den Elementen der Zelle, in Protoplasmapartikelchen die Träger der Eigenschaften der lebenden Substanz und die Ursachen ihrer Differenzierung. Diese physiologischen Einheiten (Gemmulae,