Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1920-01-01 · 1919 (1920) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1919 (1920)
Date
1920-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2720904-2721027--13-2726112
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

15 Tierreich die Discrepanz zwischen der Menge der Lebewesen und der Zahl der Nahrungsmittel bestehen. Der sich in Pflanze und Tier, wie im Menschen regende Lebenswille wird zu einem erbitterten Kampf um die zum Leben nötige Nahrung führen. So ergibt sich der Kampf der Arten gegen einander, der Unterschied von Beute- und Raubtier, aber auch der Kampf innerhalb der Art zur Sicherung der Lebensnahrung. In diesem Kampi kann jede zufällige Variation von Bedeutung für die Erringung des Sieges werden, der schnelle Flug, das scharfe Auge, die nützliche Färbung. Diese Varianten überleben den Kampf, pflanzen ihre Art fort, die durch dieselbe fortdauernde Auslese des ״Kampfes ums Dasein“ gesteigert wird. Der Kampf ums Dasein ist der Züchter der Arten, das Überleben des Passendsten die Ursache für das alleinige Vorhandensein der angepaßten, zweckmäßigen Naturformen. Das Zweckmäßige besteht in der Natur, aber nicht als gewolltes Produkt intelligenter Kräfte, sondern als Restbestand nach dem Untergang des Unzweckmäßigen. Die Arten entstehen und sind den Lebensbedingungen angepaßt durch die Auslese des Passenden im Kampf ums Dasein. Es ist selbstverständlich, daß sich der Darwinismus nicht mit der theoretischen Deduktion begnügte, sondern mit einem umfangreichen Tatsachenmaterial die Gültigkeit der Theorie zu erweisen sucht. Insbesondere fand der Darwinismus in der Tatsache der Schutzfärbung und des Mimikry eine wichtige Stütze seiner Theorie, da hier jedes Moment der aktiven Anpassung entfällt und allein die passive Auslese durch Überleben des Passendsten die Angepaßtheit erklärt. Außer der natürlichen Zuchtwahl erkennt der Darwinismus noch die Bedeutung der sexuellen Zuchtwahl zunächst für die Bevorzugung und Erhaltung bestimmter Merkmale des einen Geschlechts an, sodann durch Übertragung derselben auch auf das andere Geschlecht für die Veränderung der Art. Darwin ließ auch noch weitere Prinzipien der Entwicklung gelten, auf die wir bei Darstellung des Lamarckismus eingehen werden. Der Darwinismus hingegen betont die absolute Geltung des Prinzips der natürlichen Zuchtwahl und negiert den Lamarckismus. Dadurch aber, daß das Zweckmäßige allein den Kampf ums Dasein zu bestehen vermag, ist der Darwinismus imstande, nicht allein die Zweckmäßigkeit der Organismen restlos anzuerkennen, sondern in der Zweckmäßigkeit sogar die Lebensbedingung der Organismen zu erkennen. Der Kampf ums Dasein, der Mechanismus der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.