Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1920-01-01 · 1919 (1920) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1919 (1920)
Date
1920-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2720904-2721027--10-2726109
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

12 wie immer Darwin die Entwicklung erkläre, d. h. auf welche reale Ursachen er die Entwicklung zurück führe, zuerst muß die Tatsache der Entwicklung der Arten gesichert sein. Ist dies der Fall? So groß das Verdienst Linnes ist, durch die scharfe Abgrenzung der Arten von einander den naturhistorischen Begriff der Art als der kleinsten Gruppe der einzelnen auf der Erde lebenden Lebensf ormen geklärt und in die unübersichtliche Menge der Lebewesen eine, wenn auch künstliche Ordnung gebracht zu haben, so konnte diese scharfe Begriffsbestimmung und deutliche Abgrenzung der Arten sich nur so lange halten, als die Erfahrung selbst dieser Abgrenzung und Ordnung nicht widersprach. Dies aber war der Fall, als immer mehr und mehr Formen entdeckt wurden, die in keine der scharf umschriebenen Formengruppen gebracht werden konnten, als die Fülle der Abarten den Begriff der Art von innen heraus sprengte. Schon früh hatte die Morphologie und vergleichende Anatomie in den verschiedenen Arten eine einheitliche innere Struktur nachgewiesen, die Flügel des Vogels, die Flosse des Fisches, den Fuß der Landtiere als anatomisch gleichartig erwiesen. Die Embryologie gewährte nicht nur deutlicheren Einblick in den Vorgang der ontogenetischen Entwicklung, sie entdeckte auch, daß die verschiedenen Stadien der embryologischen Entwicklung parallel laufen einer allmählichen Differenzierung der Arten, so daß die ontogenetische Entwicklung die phylogenetische in abgekürzter Weise wiederholt. Die Histologie entdeckte in der Zelle den Elementarorganismus, der gleichermaßen das Pflanzen- und Tierreich aufbaut. Die Geologie erwies, daß die Cuviersche Kataklysmentheorie nicht haltbar sei und in Wirklichkeit eine allmäliliche Bildung der Erdoberfläche zu ihrer jetzigen Gestalt stattgefunden habe und solche langsame Veränderung fortdauere. Die Geographie erklärte die Eigenart und Verschiedenheit der Fauna und Flora aus örtlichen Verhältnissen. Die Paläontologie liefert den Beweis, daß in den verschiedenen Erdschichten die fossilen Reste in einer solchen Weise aufeinander folgen, daß die höheren Arten auch die späteren sind und die fossilen Reste aufeinander folgenden Schichten eine auffallende Ähnlichkeit haben, was nur auf dem Wege der Abstammung zu erklären ist. So darf die Tatsache der Entwicklung der Arten als die allgemeine, gesicherte Grundlage der modernen Biologie angesehen werden, obwohl die ältesten fossilen Reste bereits hoch entwickelten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.