Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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9 einer klassifikatorischen Ordnung fähig macht. Im Typus des Artbegriffs scheint die Fülle des Lebendigen sich zu bestimmten Lebenskreisen zu ordnen, die ihrerseits wiederum umfassenderen Ordnungen eingefügt werden können. Der universalen Gesetzmäßigkeit der Mechanik scheint für das Reich des Organischen das Gesetz der Klasse als eigene Ordnung für das Lebendige zu entsprechen. Die scheinbare Ewigkeit und UnVeränderlichkeit der Arten beweist das objektive Recht der Klassifikation, die ein natürliches System, kein künstliches Schema bedeutet. — Diese Tatsachenreihen mechanisch zu erklären, ist die wissenschaftliche Aufgabe des Darwinismus. a) Die Entwicklung der Arten. Der Punkt, von dem der Darwinismus seinen Kampf gegen die teleologische Theorie der organischen Natur ansetzt, ist das unter 3. oben ausgesprochene Dogma der Konstanz der Arten. So wie der Artbegriff die Eigengesetzlichkeit des Organischen zum Ausdruck bringt, sollte die Konstanz der Arten ihre Unabhängigkeit von Naturbedingungen, ihren außematürlichen Ursprung erweisen. ״Es gibt so viele Arten, als bei Anbeginn von dem unendlichen Wesen erschaffen sind.“ So formulierte Linne diesen Gedanken, der von Cuvier zur Grundlage der Erkenntnis der organischen Natur gemacht wurde. Wenn demgegenüber der Darwinismus eine wissenschaftliche Erklärung der Formenwelt geben wollte, mußte er die Arten nicht als fertige, sondern in ihrer natürlichen Entstehung zu begreifen suchen. Denn alle Erkenntnis ist Erkenntnis per causas. Für die causale Erkenntnis der Arten aus den Ursachen ihrer Entstehung bot sich nun dem Darwinismus vor allem der Entwicklungsgedanke dar. Denn der Entwicklungsgedanke vernichtet die starre Unveränderlichkeit der Arten und bringt die Arten in denselben, einheitlichen Zusammenhang, in dem die verschiedenen Stadien der Entstehung jedes Organismus offensichtlich zueinander stehen: in die natürliche Einheit der Entwicklung So wie der Entwicklungsbegriff die Einheit des Organismus, begründet der Entwicklungsgedanke die Einheit der organischen Natur. Wie aus dem Keim die Pflanze in natürlicher Aufeinanderfolge ihrer Stadien sich entfaltet, erscheinen die Arten als die phylogenetischen Stadien der Entwicklung der organischen Natur. Indem aber so der Darwinismus den Entwicklungsgedanken zur Grundlage der Erkenntnis der organischen Natur erklärt,