Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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8 mechanischen Naturbetrachtung den Einlaß zu versagen. Sogar die Konstanz der Arten schien dem Wissenschaftliehen Bewußtsein zu Anfang des 19. Jahrhunderts noch so gesichert, daß der greise Goethe in dem Problematischwerden dieses Dogmas die entscheidende Lebensanschauungstatsache seiner Zeit erblickte. Geschweige daß der Artbegriff selbst seine reale Bedeutung zu Gunsten der mechanischen Gesetze verlieren zu können schien. Hier im Reich der organischen Natur, wo er den Ausgangspunkt seiner Metaphysik genommen hatte, schien Aristoteles unüberwindlich. In Darwin sollte dem Aristotelismus in der biologischen Naturwissenschaft der bedeutendste Gegner erstehen. Der Darwinirmus ist der Versuch, der mechanischen Naturbetrachtung als der einzig wahren Methode der Naturerkenntnis auch das Reich der lebendigen Natur zu unterwerfen und so in der einheitliehen Erkenntnisart die Einheit der Wissenschaft und die Einheit der Natur zu begründen. Wir erkennen die Größe dieses Unternehmens upd die philosophische Bedeutung dieses Versuchs. Stellen wir den Darwinismus in seinen entscheidenden Zügen dar. Sodann aber seine Kritik und Opposition in den teleologischen Systemen des Lamarckismus und Evolutionismus d. h. Mechanismus und Idealismus in ihrem Kampf um die Begriffsbestimmung des Lebens. 1. Darwinismus. Drei Tatsachenreihen zwangen seit Altem den Naturforscher, die organische Natur anderen Erkenntnisbegriffen zu unterstellen, als die leblose Natur : 1. Die im Reich des Anorganischen nicht vorhandenen, das Organische charakterisierenden Prozesse der Ernährung, des Wachstums, der Fortpflanzung, Vererbung, Regeneration, des Instinkts, Bewußtseins, Willens. 2. Die das Organische beherrschende von der anorganischen Gesetzmäßigkeit verschiedene Regelmäßigkeit, die den unter 1. angegebenen Prozessen eine bestimmte Richtung gibt und sie trotz ihrer Verschiedenheit zur Einheit der lebendigen Form, eines geformten Ganzen zusammenschließt. Die Form ist dei Charakter aller lebendigen Natur. 3. Trotz der Mannigfaltigkeit der Lebewesen weist die sie beherrschende Formgesetzlichkeit eine von der anorganischen Gesetzlichkeit wiederum verschiedene Regelmäßigkeit auf, die sie