Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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7 nismus die Form auch alles Lebendigen und Geistigen wurde. Die Revision dieses Verhältnisses von Mechanismus und Idealismus, Naturphilosophie und Kulturphilosophie ist daher das auf wissenschaftliche Erneuerung einer idealistischen Lebens ansicht hinzielende Bemühen der Philosophie der Gegenwart Dringender als je ist unserer eisernen Zeit der Glaube an die Macht und die Wahrheit der Idee notwendig. Ihm möchte diese Untersuchung über ,,Mechanismus und Idealismus“, deren ersten, naturphilosophischen Teil wir vorlegen, dienen. I. Der Begriff des Lebens. So wenig das Geistes- und Kulturleben, ohne in seiner Eigensetzlichkeit und Bedeutung, seinem Sinn und Gehalt verkannt zu werden, als bloßes Abbild und Schattenbild der realen wirtschaftlichen und politischen Lebensgrundlagen angesehen werden kann, darf andrerseits, wie es in philosophie-geschichtlichen Darlegungen noch häufig geschieht, der einheitliche Lebenszusammenhang mißachtet werden, der Natur und Geisteswelt umschließt und selbst die sublimsten Spekulationen an ein konkretes Stück Erde und Geschichte als ihren Mutterboden bindet. So ist die Renaissance die Epoche der Befreiung des europäischen Menschen aus der mittelalterlichen Lebensform im ganzen Umfang der Kultur, geht mit der religiösen und künstlerischen Freiheitsbewegung auch durch das wirtschaftliche und politische Leben ein neuer Geist der Selbstständigkeit und prägt sich die Freiheit des Geistes nicht zuletzt in der Begründung der neuen mathematischen Naturerkenntnis aus, die an Stelle der Buchgelehrsamkeit der Scholastik trat. In Kopemikus, Galilei, Descartes, Spinoza, Leibniz, Newton, Kant vereinigen sich Naturforscher und Philosophen, die neue Methode zum System der Naturerkenntnis und zur Grundlage der philosophischen Lebensanschauung auszubauen. Seitdem trat die mathematische Physik vor allem im 19. Jahrhundert ihren Siegeszug an, erwies sie das Recht ihrer Methode des empirischen Rationalismus in der theoretischen und praktischen Bewältigung der Naturkräfte. Technik, Industrie, Handel, Verkehr, das wirtschaftliche und politische Leben der Völker erhielten mehr und mehr in der Entfaltung der Naturwissenschaft, die sie wieder der Sicherheit ihrer Methode verdankt, ihren Grund. Nur ein Gebiet der Natur schien der Beherrschung durch die Physik zu trotzen, das Reich der lebendigen Natur der