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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1920-01-01 · 1919 (1920) · page 5

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1919 (1920)
Date
1920-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721027--04-2726103
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6 Naturerkenntnis und der Formen des gesellschaftlichen und politischen Lebens der supranaturale Idealismus des Mittelalters methodisch und inhaltlich seine Stütze verloren hatte. Der neuen Natur erkenntnis mußte eine neue Erkenntnis vom Menschen, dem Sinne seines Lebens folgen. Spinoza, Leibniz, Locke, Hume, Kant, um nur die führenden Geister zu nennen, ringen um die neue Einheit von Mensch und Welt, Natur und Freiheit, Mechanipmus und Idealismus. Denn das war die grundlegende Bedeutung der neuen Naturerkenntnis für die Philosophie, daß sie das qualitativ-teleologische Weltbild der Antike und des Mittelalters vernichtete und die Aufgabe stellte, den von ihr festgestellten Mechanismus des Naturgeschehens mit dem sittlich-religiösen Bewußtsein von den Aufgaben des Menschen zu vereinen. Doch die einmal begonnene Entwicklung des Lebens ging weiter, machtvoller dehnten Handel und Industrie, wirtschaftliche und politische Interessen ihre Herrschaft über die Erde und die Seele des Menschen aus. Der als Erbe der religiösen Epoche der Menschheit fortwirkende, nach Abschüttlung der theologischen Herrschaft nur autonom gewordene sittliche, wissenschaftliche, künstlerische Idealismus lernte die Wirklichkeit immer klarer zu erfassen in ihrer unerbittlichen Dissonanz zur Idee. Und so oft und vielfach der Idealismus durch die innige Berührung mit dem Leben an Lebenstiefe und Lebenswahrheit gewann, es kam die Zeit, wo der Idealismus dem Schwergewicht der wirtschaftlichen und politischen Interessen gegenüber matt wurde, an sich selbst verzagte, ja in einem gewissen Triumph der wissenschaftlichen Objektivität das Recht seiner idealistischen Stellungnahme zur Wirklichkeit in Zweifel zog, die uninteressierte naturwissenschaftliehe Betrachtungsart des Geschehens zur Norm aller, auch der nicht naturwissenschaftlichen Erkenntnis machte. Je höher das Ansehen der Naturwissenschaft stieg, als der Grundlage einer immer großartigeren Naturbeherrschung, desto mehr geriet das gesamte wissenschaftliche Denken in Abhängigkeit von Methode und Denkungsart der mechanistischen Naturerkenntnis. Die mechanistische Methode der Naturerkenntnis, die die physische Wirklichkeit dem Erkennen erschloß, wurde verabsolutiert zur allein gültigen Erkenntnisform aller Wirklichkeit, der leblosen wie der lebendigen Natur, der Natur wie des Menschen, von Körper und Geist, Natur und Geschichte, Psychologie und Ethik, Sein und Sollen, Wirklichkeit und Idee. ^Aus der Natur- Wissenschaft wurde eine naturalistische Metaphysik, in der Mecha-

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