Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1919 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Mechanismus und Idealismus. Einei der mächtigsten Faktoren für die Umformung aller Lebensverhältnisse der modernen Gesellschaft ist seit den Tagen der Renaissance bis in die Gegenwart die von den großen Entdeckern des 16.—18. Jahrhunderts begründete mathematische Naturwissenschaft. Sie war die wissenschaftliche Grundlage für die Überwindung der aristotelischen geozentrischen und anthropozentrischen Naturanschauung, bot in mathematischer Klarheit die Erkenntnis der Bewegungsgesetze der physischen Welt, lehrte die Unendlichkeit des Universums in den mathematischen Begriffen des Köpemikanischen durch Newton zum Abschluß gebrachten Systems zu erfassen. Es konnte nicht fehlen, daß die neue Natur erkenntnis sich dem seit der Renaissance erwachten Streben der europäischen Menschheit nach Natur- und Menschenbeherrschung verband, Wissenschaft und Leben ein der mittelalterlichen, theokratischen Verbindung von Geist und Wirklichkeit entgegengesetztes Bündnis von Theorie und Praxis schlossen. In dem jungen, emporblühenden Wirtschaftsleben des beginnenden Kapitalismus und Industrialismus des merkantilistischen Zeitalters wird die neue Naturwissenschaft die Grundlage der Technik, der Produktion, des Handels, des Verkehrs, des Kriegswesens. Diese Veränderungen der politischen, wirtschaftlichen, intellektuellen Lebensformen konnten aber nicht ohne Einfluß bleiben auf die sittlich-religiöse Stellung des Menschen zur Welt, konnten den inneren Menschen nicht in mittelalterlicher Gebundenheit an die Traditionen vergangener Zeiten verharren lassen, während die auch für die Seele so bedeutungsvolle Wirklichkeit des äußeren Lebens durchgehends auf der Selbständigkeit des Menschen beruhte, seiner frischen und ungehemmten Initiative ihr Dasein verdankte. Der Aufgabe neuen philosophischen Begreifens des Zusammenhanges von Welt und Ich konnte sich daher die philosophische Reflexion um so weniger entziehen, als mit der Veränderung der