Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1917 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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14 ungeheuer anwachsen. Denn die Wissenschaft wird Wunder um Wunder aufdecken, es wird alles verwirrender und verwirrender werden. Je wissender und grösser der Mensch wird, desto erhabener und größer und unfaßbarer wird der eine Gott. Das Mysterium wird gewaltiger, je mehr man in dasselbe hineinsieht. Wie oft wies unser Lehrer uns auf die Pflanze im Garten hin, auf ihr wundersames Werden und Leben. Unausgesetzt durchschauerte ihn das Gefühl der lebendigen Gotteskraft. Jedes kleinste Ding hatte Sinn und Beziehung; das Leben war ihm wie das Buch eines Meisters, wo man es öffnet: Wahrheit, Schönheit, tiefes Gleichnis, tiefes Geheimnis. So stark empfand er die Wunder der Welt und verwebte sich inniger mit ihnen. So tief gegenwärtig war der göttliche Gedanke, der Jahrhunderte und Jahrtausende schwinden läßt, durch alle Zeit in ihm. Da wir Deiner heiligenden Gegenwart gedenken, rufen wir Dich auch als einzigartiges Vorbild in Erinnerung von eiserner Konsequenz und Treue in der Erfüllung der göttlichen Gebote, von Hingebung und Pflichtforderung, von Demut und Seelenweihe. Mit ungeteiltem Herzen Gott verehren können, das war das einzig hohe Glück seines Lebens. Wie weich, wie süß war der Klang seiner Stimme, wie oft sahen wir Tränen aus seinen Augen rollen, wenn er uns in seiner schlichten Art von den heiligen Gebeten sprach, mit denen Israels Söhne alle Länder, alle Orte durchzogen, in denen sie eine Kühe- Stätte oder auch keine gefunden hatten. Welch beglückendes, befreiendes Gefühl verliehen sie ihm. Sie waren die Quelle, aus der er den Mut und die Kraft schöpfte zum Leben, zum Kampf um die Güter unseres Volkes. Und wie hat er gebetet? Mit welch stillem Erglühen frommer Scheu. Ist eine solche Andacht, eine solche Inbrunst je geschaut, gehört worden? ״ בחרבי ובקשתיMit meinem Schwerte und meinem Bogen,“ sagt unser Stammvater Jakob, zog ich hinaus zu heiligem Kampfe. Und ״ בחרבי ובקשתיmit meinem Schwerte und meinem Bogen“ gibt der Targum mit den Worten wieder: ״ בצלותי ובבעותיmit meinem Beten und mit meinem Flehen“! Beten ein Kampf! Kampf war auch das Beten unseres großen Lehrers, Kampf um die Keinheit, Kampf um die Heiligkeit des Lebens, ein Kingen mit Gott um die Einheit mit Gott. Vor diesem inneren Leuchten standen wir in Ehrfurcht still, wenn wir in einfachem Gespräch nur vor ihm waren.