Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1917 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2720904-2721031--12-2726030- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
13 größer und seltener sein, als eben etwas, das das Herz nicht ertrüge, so unfaßbar sollte es sein, so herrlich, so hoch! Yiel von der Weisheit der Welt ist nicht Weisheit, und die Klasse der erleuchtetsten Menschen ist literarischem Buhm überlegen. Du lehrtest, was Du warst. Du warst der 1ms von Gott gesandte Lehrer. Deine Heimat hattest Du in Gott gefunden, Dein Suchen hatte einen göttlichen Ton. Unter der Unendlichkeit Deines Gedankens strömte Dein Wort zu uns von innen heraus, als das eines Menschen, der an den Dingen, die er gibt, teil hat und sie besitzt; eines Menschen, der innerhalb des Vorhanges steht, wo das Wort eins ist mit dem, wovon es kündet. Du hattest ein Licht und wußtest, von wannen es kommt, und durftest es Dein eigen nennen. Du gabst uns das Beste Deines schaffenden Denkens. Du führtest uns auf die Höhe Deines geistigen Bingens, daß wir •Beichtümer ahnten, vor denen die Seele zittert. Du hobst uns in Deinen Stunden so hoch, daß wir einen neuen Grad von Hoheit kennen lernten. Und doch wußten wir, daß wir Deine wirkliche Natur nicht stärker zu fassen vermögen, als der Schatten des vorübergehenden Wanderers, der auf den Felsen fällt. Wie war sein Auge so klar, sein Wort so scharf, wenn er aus dem unversiegbaren Born seines Wissens uns schenkte, wenn er die reißenden Wellen des ים התלמוד, des talmuäischen Meeres mit kühnem Schlage glättete und stillte. Und es war ja nicht allein das talmudische Gebiet, das er wie ein König beherrschte. Wo lag für sein scheinbar der Welt so abgewandtes Auge die Geistesregion, in die dieses Auge nicht den verständnisreichen Blick warf? Mit welcher Klarheit, welcher Schärfe umfaßte und verband er die weit umspannenden Gedanken aller Wissen- Schaft und gab uns von ihnen, um unser Leben zu verjüngen, zu erhöhen. Und nun מי יקצה בגבעות ומי יסתת בהרים מי יפרק ״ .הויות ומי יתרץ שבריםWer soll nun das Steüe bahnen, die Berge spalten? wer soll die Schwierigkeiten lösen? wer die Fragen beantworten“? כל בית ישראל יבכו את־השרפה אשר שרף ה׳ ״Das ganze Haus Israels muß den Brand beweinen, den der Ewige angezündet“. Und mit dem Ernst der Wissenschaft paarte sich bei unserem Lehrer der Ernst des Glaubens. Was sprach er uns von Wissenschaft und Glauben: Je mehr die Wissenschaft erkennen wird, desto mehr wird das religiöse Gefühl sich steigern, es wird nicht schwinden, es wird im Gegenteil wachsen,