Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1918-01-01 · 1917 (1918) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1917 (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2720904-2721031--11-2726029
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

12 ״ ,גלה כבוד מישראל כי נלקח ארון האלהיםdaß die Herrlichkeit von Israel gewichen, daß genommen worden die Bundeslade Gottes“. אוי לו לעולם שאבד מנהיגו ואוי לה לספינה שאבדה קברניטה ״Wehe der Welt, die ihren Führer verloren, wehe dem Schiffe, dessen Steuermann nicht mehr ist“! Die Welt, die die Brücke bildet zwischen alter Form und modernem Geiste, hat ihren Träger verloren. Das Schiff, das unter der heiligen Kraft dieses Steuermanns so mutig und kühn durch die Wellenberge der zerreibenden Anschauungen hindurch eilte, hat keinen Lenker mehr. Die jüdische Welt ist ihrer Stütze, ihrer Säule beraubt. Wie ein Bote Gottes durchzog unser Lehrer seine Bahn, wie ein Bote, der eine große Botschaft zu tragen hat. Er wußte, was in der Botschaft stand; er trag sie und erfüllte sie. Ein hoher Geist war in ihm aufgestanden, und die Menschen lauschten auf ihn. Wie ein Priester war er, geschaffen zu lehren und die Menschen mit Ehrfurcht zu erfüllen vor seinem Werke. Sein Leben ein Stück der unendlichen Bahn, die die Seele zu durchmessen hat, der Bahn der Weltkörper vergleichbar, erhaben, gewaltig und sichtbar allen Blicken. — Vergangen, verweht, aber irgendwo am großen Werke des Lebens tätig, das ewig saust und braust. Wie ein Herold Gottes durcheilte er seine Zeit, der das, was er erschaut, was er ergründet und was sich ihm offenbart hatte, einer unwissenden Welt verkündete, und was in ihm lebte und glühte, mit heiliger Gewalt aussprach und bezeugte, bis der einsame Besitz des Einzelnen einem reifer werdenden Geschlecht als Eigentum und Erbe gegeben war; bis der einzelne Funke des Himmels zur göttlichen Flamme aufloderte, an der wir uns erhellten und erwärmten. So schwer an tiefem Leben, daß man Stufe um Stufe mitschreiten und Tropfen um Tropfen nur mitkosten konnte, so voll von Liebe und Blut aus einem großen, großen Herzen. Auf etwas Großes und Seltenes hofften wir, wenn Avir Deine Welt, Du Lehrer Deines Volkes, betraten. ״Deine Welt,“ so nanntest Du doch einmal das Auditorium I der Anstalt, das von Deinen tiefen Worten widerklang. Auf etwas Großes und Seltenes, das nicht jeden Tag zu den Menschen kommt. Das Große und Seltene war gekommen. Es war so groß und selten, daß unser Herz es nicht ertrug. Aber was würde wohl

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.