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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1918-01-01 · 1917 (1918) · page 6

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1917 (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721031--05-2726023
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— י6 Konsequenz zurücksehreckend, weicht ex‘ in der Praxis auch, nicht um eines Haares Breite vom Herkommen ab, steigert er vielmehr seine Peinlichkeit bis zu einem unerträglichen Grade. Früh in sich fertig und abgeschlossen, mit einer felsenfesten und unerschütterlichen Ueberzeugung, mit einer scharf ausgeprägten Weltanschauung, wird er trotzdem niemals mit sich fertig, verzehrt er sich in selbstquälerischen Betrachtungen, ist sein Dasein ein beständiger Kampf, ein ewiges Bingen. Und, was besonders bemerkenswert erscheint, mit einer seltenen Verstandesklärheit und einem durchdringenden Scharfsinn verbindet sich ein tief mystischer Zug auf dem Grunde seines: Wesens. Fragt Ihr, wie dies zu erklären seif Eine bekannte Erzählung unserer Weisen lautet : Als Mose auf dem Berge Nebo gestorben war, da sandte der König des Landes Boten an Israel mit der Bitte, daß man ihnen das Grab Moses zeige. Afe sie jedoch auf den Berg stiegen, glaubten sie es im Tale, und als sie ins Tal stiegen, glaubten sie es auf dem Berge zu sehen.1) Erfasset den Sinn der Erzählung und machet die Nutzanwendung auf den Verklärten. Für Individualitäten gleich ihm Will kein‘ Maßstäb passen. Es fällt der Betrachtung schwer, die richtige Distanz zu ihnen zu gewinnen. Welchen Standpunkt wir auch wählen, sie scheinen für uns in die Ferne zu rücken. Doch wählet, wählet nur welchen Standpunkt Ihr wollt, betrachtet welche Seite immer, steiget in die Höhe oder in die Tiefe, folget seinem hohen Geistesflüg in der Forschung oder steiget hinab in die Tiefen seines mystischen Fuhlens, seiner Frömmigkeit und. Gläubigkeit: Ihr werdet nimmer seinesgleichen finden und gestehen, daß ״ein Fürst und Großer mit ihm hingegangen ist“. Und sehen wir ab von seinen Charakterzügen im Großen, wie merkwürdig war seine ganze Lebensführung! Wie bürdete er sich fast Uebermenschliehes auf, konnte er sich niemals genugtun, war ihm keine Entbehrung, keine Beschwerde, keine Mühe zu groß. Er entsagte allen Genüssen der Welt und machte wie der Patriarch Jakob zu seinem Kopfkissen den Stein. Aber jenes erhabene Traumbild, welches der ein« same nächtliche Wanderer geschaut hatte, das Bild von der Himmelsleiter, welche in unzähligen Sprossen aufwärts zur Vollendung führt, erfüllte seine Seele ganz. Und verglichen 1j Sota 13.1).

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