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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1918-01-01 · 1917 (1918) · page 5

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1917 (1918)
Date
1918-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721031--04-2726022
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5 es — dies Wort unserer Weisen lernte man erst unter seiner Leitung in seiner ganzen Wahrheit und Tragweite verstehen. Schimmernde Hypothesen, bloße geistreiche Einfälle, Eingebungen des Augenblicks fanden in seinen Augen keine Gnade, hielten seiner zersetzenden Kritik nicht stand. Umgekehrt, zeigte er, wie auch die schwierigsten, verwickelsten Probleme gelöst, die größten Dunkelheiten aufgehellt werden können, wenn man nur in der rechten Weise sucht und es an der nötigen Energie nicht fehlen läßt. Ein Wunder in unserer schreibseligen Zeit, hat er, der aus dem Vollen schöpfte und sozusagen über fürstlichen Reichtum verfügte, nur hie und da und mit Widerstreben sich dazu herbeigelassen, die Früchte seiner Forschung der Oeffentlichkeit zu übergeben. Aber, was aus seiner Hand hervorging, ist mit diamantenem Griffel geschrieben, hat bleibenden Wert. Er hat keine dickleibigen Werke verfaßt, aber was er hinterlassen hat, ist eine unerschöpfliche Fundgrübe für den Forscher, ist reich an Anregungen und Auf- Schlüssen nach den verschiedensten Eichtungen. Und hier können ־wir sogleich einen Zug hervorheben, der vom Gelehrten — vom Manne der Wissenschaft — zum Menschen überleitet und ihn vielleicht besser charakterisiert, als irgend welche Wort vermögen. Israel Lewy hat während seines ganzen arbeitsreichen Lebens nie auch nur eine polemische Zeile geschrieben. Man wird in seinen Schriften vergebens nach einer polemischen Bemerkung suchen. In der Tat, es fällt uns schwer, die Frage zu entscheiden, was mehr Bewunderung verdient, der Gelehrte, der bahnbrechende Forscher in ihm, oder seine Größe als Mensch, seine außerordentliehe einzigartige Persönlichkeit. Heldenstärke wohnte in dem kleinen, schmächtigen Körper, ein Charakter wie aus Erz gegossen. Sein Wille ist Stahl, seine Kraft — ehern, seine Begeisterung — eine Gottesflamme, sein Wort — eine brennende Fackel. Etwas von der wilden Größe der alten Propheten lebte in ihm. Und doch, wie weich und zart ist seine Gefühlsweise, wie leicht erzittert sein Gemüt bei der leisesten Berührung in den Regungen der Liebe, des Mitleids, des Erbarmens, wie gleicht seine Seele der Davidsharfe, aus der die süßesten Weisen, die ergreifendsten Melodien hervorströmten, wenn bloß der Wind durch die Saiten strich. Ueberhaupt ist es seltsam, wie er die schroffsten Gegensätze in sich vereinigte. In seiner Forschung kühn und frei, vor keiner

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