Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1917-01-01 · 1916 (1917) · page 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1916 (1917)
Date
1917-01-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2720904-2721033--39-2725972
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

240 , ׳ Noch schlechter ernährte die Gelehrsamkeit ihren Mann. Da gab es vor allem 5 Gelehrte schlechthin: Moses Aaron (3 Seelen), Juda Seelig1) (4), Wolf Ephraim (3) und Sundel Joseph (4), der neben dem Studium sich mit dem Branntweinausschank beschäftigte. Schlimmer waren die 10 Schulmeister daran. Sie waren alle völlig unbemittelt. Nicht minder mittellos waren die beiden Beisitzer des Rabbiners, die, wie es scheint, keine fest besoldeten Beamten waren. Auch die jüdische Schreiberei, der sieh 2 Familienväter (10 Seelen) widmeten, warf nur Hungerlöhne ab. An Beamten gab es den Rabbiner Nafftahle Cohen2), einen Kantor, einen Unterkantor, einen Passisten, einen Schammes, zwei Schächter, einen Gemeindeschreiher, einen Totengräber und einen ohne nähere Angabe. Die Seelenzahl der ganzen Gemeinde belief sich danach, einschließlich der auswärtigen Familien, über deren Größe die Angaben fehlen, auf etwa 1200. Ueberraschend groß ist dabei die Anzahl der armen Leute. Sie bildeten etwa 12% Prozent der gesamten Bevölkerung. Das besagt, daß jeder achte Familienväter arm und unterstützungsbedürftig war und zu den Gcmeindelasten nichts beitragen konnte. Es war unter solchen Umständen wirklich nicht leicht für die Leiter der Gemeinde, den äußerst manniehfachen Anforderungen des religiösen Lebens und der sozialen Fürsorge gerecht zu werden. Wie die Juden jener Tage die schwere Aufgabe bewältigten, lehren uns die Satzungen, die sie auf obrigkeitliche Anordnung feststellten und noch vor Weihnachten 1687 einreichen mußten. Aus welchem Anlaß der Landeshauptmann die Satzungen einforderte, ist nicht klar ersichtlich. Es scheint, daß Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Gemeinde über die Frage, wem der Morenu-Titel 3) zuzuerkennen oder beizulegen sei, der Ausgangspunkt gewesen sind, und daß wunder- J) Das ist zweifellos R. Jehuda b. Chanina Selig, dessen lialachisches Notizbuch 8 קור* יהודה. Zt. so beliebt war, daß es drei Auflagen (Amsterdam 1729, Homburg v. d. Höhe 1743 und Fürth 1769) erlebte. 2) Vgl. meine Gesell. d. Landrabbinats a. a. O. Er bekleidete das Rabbinat von 1720—1731 und starb am 21. August 1731. s) Einiges über diesen rabbinischen Grad und die verschiedene Handhabung bei dessen Verleihung s. bei Landau und Wachstein, Jüdische Privatbriefe ans dem Jahre 1619, S. 8, Anm. 9.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.