Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1916 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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232;Besorgungen über die Straße geschickt wurden1). Endlos waren die Streitigkeiten mit den Gilden und Zünften. Allein mit der Fleischerzunft hatten die Juden von 1622—1736 einen immer wieder auflebenden Bechtsstreit über die (Inander widersprechenden Gerechtsame auszufechten2). Denn zwischen dem den christlichen Fleischern nach den Zunftsatzungen zustehenden gesetzlichen Anrecht auf die gesamte Fleischerei und den gesamten Fleiscliliandel und dem den Juden! vorbrieften Beeilte. Vieh zu ihrer Notdurft nach ihren Religionsgesetzen zu schlachten, das nach denselben Gesetzen geratene Fleisch für sich zu verwenden und das ungerateile zu veräußern, war in all(‘ Ewigkeit ein befriedigender Ausgleich nicht zu finden. Aehnlieli lag es auf den anderen Gebieten des Wirtschaftliehen Lebens. Auch hier im kleinen Kreise blutete das Wirtschaftsleben nach dem dreißigjährigen Kriege aus tausend Wunden. Schuld daran trug zunächst der allmählich eiligetretene Wandel der schlesischen Handelsbeziehungen und namentlich das von den Habsburgern als Herzenssache gehegte und geförderte Ideal der Glaubenseiiiheit in Schlesien3). Diesem Ideal zuliebe ließ man unbedenklich Tausende von protestantischen Tuchmachern und Leinewebern über di(‘ Grenze ziehen und neue Wohnsitze in der sächsischen Lausitz und am benachbarten Südrande des polnischen Beichs in der jetzigen Provinz Posen suchen, von wo aus s*e in einen gefährlichen Wettbewerb mit der alten Heimat traten. Es wirkten mit der Mangel an Betriebskapital, die Schäden des veralteten Zunft- und Innungswesens und die Tatsache, daß durch die Not der Zeit manche schwer errungene technische Kenntnisse vergessen worden waren4). Alle diese Uebelstände aber נ) ßerndt a. a. 0. *־) Eingehend über die einzelnen Stadien dieses Prozesses berichtet gewiß das noch nicht ausgeschöpfte Aktenstück Nr. 287 der zurückgelegten Akten im Glogauer Stadtarchiv, vgl. Cod. dipl. Sil. XXVIII (1915), S. 197, ZI. 41/42 ,.Fleischerzunft gegen die Judenscliait 1622/1739“. Einiges daraus wohl bei Berndt a. a. O., S. 58 ff. :i) Vgl. z. B. nur das unterm 21. Februar 1629 vom Kaiser Ferdinand II. bestätigte Iteligionsstatut für die Städte des Fürstentums Glogau. Cod. dipl. Sil. a. a. 0., 8. 190, Nr. 1338. 4) Vgl. Ziekurscli, Neuere Gesell. Schlesiens, 8. 74 ff. und Schics. Wirtschaftsgeschichte, 8. 178 ff. im 2. Bde. der Sehles. Landeskunde, herausgeg. v. Frech und Kampers (Breslau 1913).