Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1916 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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226 hatten sich damals ungesäumt an den Kaiser gewandt mit dem Hinweis auf die offenkundigen Tatsachen, daß sie alle insgesamt, im Ganzen 18 verheiratete Mannspersonen, keine achttausend Taler, geschweige denn achttausend Dukaten als Vermögen besäßen, und daß jeder bare Groschen ihnen bei den steten Soldaten-Durchzügen längst abgepreßt sei. Noch ehe ein Bescheid eintraf, war dann das Patent von 1627 lierausgekommen, und die Glogauer hatten, wie von keiner Seite angezweifelt wird, und wie sie selber in einem undatierten Schreiben versichern, die Beitragspflicht zu den vierzigtausend Gulden, die von den böhmischen und schlesischen Juden zu zahlen w aren, übernommen und gewiß auch ihrer Pflicht entsprochen. Jetzt verlangte der Kaiser unterm 18. Oktober 1628, ohne daß er vom Vorgehen des Oberamts Kenntnis haben konnte, nichts weiter vom Glogauer Hauptmann Grafen Oppersdorf, als daß er in Gemeinschaft mit dem Herzog von Liegnitz ״einen Aufsatz über das Vermögen der Juden mache und ihm zur Ratifikation vorlege, inzwischen aber jedenfalls die Juden, wie bis anhero geschehen, in gebührendem Amtschutz halte“. Sicherlich war die Lage der Unglücklichen gerade so, wie sie selber geschildert hatten. Denn die hohen Herren, welche ihr Elend in Glogau täglich vor Augen sahen, der Hauptmann Graf Oppersdorf1), der General Graf Montecuculi2) und der Kaplan Martin Fidonerus3) waren einmütig keineswegs der Meinung des Kgl. Oberamts, daß bloß darum, ״weil es unbillig sei, daß ratione eontributionum et steurarum publicarum die Juden melioris conditionis als die Christen behandelt würden, sie durchaus die festgesetzte Summe erlegen müßten, und ihnen höchstens Teilzahlungen bewilligt werden dürften“4). Sie traten vielmehr allesamt mit Wärme dafür ein, daß angesichts der wirklichen Notlage die Summe ermäßigt werden müsse, zumal zu befürchten sei, daß, wenn die Juden die Flucht ergriffen, viele Bitter und Adlige auf dem Lande bis auf den Grund ruiniert sein würden. Am menschenfreundlichsten äußerte sich Graf 1j In seinem Schreiben an (len Kaiser, d. d. Glogau, 29. Januar 1629 und an den Landeshauptmann von Schlesien Heinrich Wenzel Herzog von Münsterberg, d. d. II. Juni 1629. 2) In seinem Schreiben, d. d. Bern&tadt, 30. September 1630. 3) In seiner Bittschrift an den Kaiser, d. d. Glogau, 20. März 1629. 4) Verfügung des Oberamts an den Glogauer Haupt mann Grafen Oppersdorf, d. d. Breslau, 18. Mai 1629.