Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1916 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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…/2720904-2721033--20-2725953- Visual Library
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221 Nr. 25—29, jetzt Langestraße 48/49, .stand das ehemalige Kreisständehaus. Seit dem 1. Juli 1912 ist das Grundstück in den Besitz des Glogauer Druckereivereins übergegangen1). Nr. 30 und 31 heißen jetzt Bailstraße 14. An diesem Hause befindet sich folgende wohlerhaltene Inschrift, die imhebr. Urtext und der von mir daneben gestellten deutschen Übersetzung wie folgt lautet: אשר Wer בונה ביתו בצדק ובמשפט כונן עליותיו V V V V ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ באמת ויושר מיסד ארמנותיו אז בנינו ן * * * * לעד תקום וכבודו בל ימוט לעולם לפ״ק in Frömmigkeit sein Hans baut, in Gei echt igkeit seine Söller wölbt und auf Treue und Redlichkeit gründet seinen Bau, dessen Bauwerk wird ewig bestehen und dessen Ehre wird nimmer wanken. Nach der abgekürzten Zahl. Sie besagt, daß der Grundstein dazu im Jahre 1762 gelegt und der Bau im Jahre 1770 vollendet worden ist2). Nr. 32—34 waren ehemals Nr. 538—540 der Judenschulgasse und sind 1l Blaschke, S. 521, vgl. 530. 2) Wie die letzte Zeile angibt;, soll der Bauspruch zugleich als Chro- 110sticli gelten. Die zur Zeitangabe dienenden Buchstaben und Worte sind in drei verschiedenen Weisen bezeichnet. Das plene geschriebene ויושר (Zeile 4) ist mit Punkten, das Wort מיסד (das.) mit Häkchen, die Buchstaben אז (ZI. 5) und רתק und כב (ZI. 6) mit Blumenornamenten über den Buchstaben versehen. Daraus ergibt sich m. E., daß nur das Wort 522 ) ויושר) und die B u c h stab e n 530 ) כב ־4 י״גק *4 אז) Zeitangaben sein sollen, während der Verfasser der Inschrift das Wort מיסד nur inhaltlich unterstrichen wissen wollte. Daher besagt die Inschrift, daß zum Hause, an dem sie angebracht ist, im Jahre 522 1762 der Grund gelegt, und daß es 530 1770 vollendet worden ist. Die ersten drei Zeilen des wohl stilisierten Textes erinnern beiläufig an Jer. 22, 13. Folgendes Moment bestätigt meine Auffassung. Im Grundbuch wird, wie mir der selige Stadtrat Immanuel Landsberger (in einem Schreiben vom 9.Mai 1904) migeteilt hat, für die Zeit 1752—1773 als Besitzer des Hauses Joel Selig angegeben. In ihm erkenne ich Joel b. Jehuda Selke lia-Levi, dem wir eine interessante und noch nicht gewürdigte Beschreibung der Belagerung und Eroberung seiner Vaterstadt durch die Preußen verdanken. Das Schriftchen ist s.l. 1741 in 32° s.t. דברי האגרת הנקרא בכי ושירות erschienen und vor zwanzig Jahren in Krakau noch einmal gedruckt w orden. Nähere Mitteilungen darüber mache ich demnächst, vgl. vorläufig Zunz, Syn. Poesie 362 LG, 450. Der Bruder unseres Joel war der Rabbinatsvorsitzende ראב״ד Ascher Lernel b. Jeh. Selke lia-Levi, der 1762—1767 dieses Amt bekleidete.