Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1916 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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214 nur Vasall von Böhmen gewesen und das Fürstentum lediglich zu Lehn getragen habe, weshalb der Kaiser die Bestätigung der Gnadenbriefe aus Königlicher Amts ־Recht und Gerechtigkeit, keineswegs aber wider die Glogauischen Privilegien zu erteilen befugt sei1). Auf Grund des getroffenen Abkommens wurden die 25 Brandstellen, von denen 8 noch teilweise bebaut waren, bereits am 25. Mai gerichtlich auf 8375 Gulden oder 446673־ T11*. abgeschätzt und der Verkauf nach den geltenden Vorschriften in drei Herzogtümern, d.11. in den Städten Glogau, Sagan und Lüben, zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Am 2. September 1637 wurden schließlich die Grundstücke in geilere den! Landeshauptmann übergeben. Schon ein Jahr vorher aber war mit vereinten Kräften der Bau eines Hauses, des Bethauses, begonnen und vollendet worden2 3). Diese nackte Tatsache ist bezeichnend für diese immer wieder als sittlich minderwertig hingestellte Gemeinschaft von ״Volksverderbern und Wucherern44, die überall ,,wie das Ungeziefer sich einnistein, wodurch die christlichen Handelsleute zu Schlachtopfern der Ungerechtigkeit und der jüdischen Bosheit dienen müssen44 3). Trotz aller dieser umständlichen und zeitraubenden Verliandlungen und Abmachungen nahmen die Reibereien zwischen dem Rat und der Judenschaft kein Ende. Koch drei Jahrzehnte gingen ins Land, bis die Angelegenheit erledigt und die Grundstücke bebaut und bezahlt waren. Denn im Grunde war niemand von dem Vertrage befriedigt. Der Rat nicht, weil er nur auf gemessenen Befehl des Kaisers in die Verhandhingen eingetreten war und darum mit allem Eifer die Wiedereinsetzung in den früheren Stand betrieb. Die Zünfte und Zechen nicht, weil sie durch den Umzug der Juden in die innere Stadt bei deren Handelsfreiheit eine noch nachhaltigere Schmälerung ihrer eigenen Vorrechte befürchteten. Endlich ב) Berndt, Juden, S. 21. 2) Berndt, a. a. O. 34, 43. Es war Xr. 8 der erkauften Baustellen, später Nr. 529 der Judenschulgasse, jetzt X1*. 2 der Bailstraße, vgl. unten 8. 219. 3) Brest Staatsarchiv AA Y11I, 9 b. Acta generalia aus des Commercien eollegii Registratur, Beschwerde der Glogauer Kaufherren, praes. 21. Januar 1721.